Xenesis in Tübingen. Russ-Scherer will sich ein Saustall-Denkmal bauen.

Leserbrief, erschienen im Schwäbischen Tagblatt vom 19.10.2006:

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Am 20. 11. wird der Bau von zwei Versuchstierställen, sofort 38 x 86 m für 600 Versuchsschweine, später 38 x 86 m für Versuchsrinder, und einer Tierkörperbeseitigungsanlage beschlossen, wenn die Oberbürgermeisterwahl keinen Strich durch die Rechnung von Frau Russ-Scherer macht.

Die Bundesforschungsanstalt auf der Oberen Viehweide lag früher außerhalb der Stadt, jetzt innerhalb dicht bebauter Wohngebiete. Wollte jemand innerhalb einer Stadt derartige Stallungen und eine Tierkörperbeseitigungsanlage neu bauen, würde er überall in Europa für verrückt erklärt.

Ein Buch wird in den nächsten Wochen zur Pflichtlektüre an allen Tübinger Schulen: Beat Gloggers Science-Thriller „Xenesis“ (rororo 23613). Der mehrstöckige High-Tech-Saustall wird neben den neu gebauten Tieroperationssälen mit dem Schwerpunkt Xenotransplantation stehen. Schweine als Nieren- und Herz-Ersatzteillager für Menschen. Seit Entdeckung der tödlichen Schweine-Retroviren vor zwei Jahren ein besonders explosives Thema. Aus gutem Grund haben die Tübinger Xeno-Schweinepriester und Boehringer darüber noch kein Wort verloren.

Auf die Frage: Weshalb ausgerechnet in Tübingen?, sagte der Boehringer-Vertreter ungeniert, anderswo sei eine Genehmigung schwerer zu erhalten, eine vergleichbare Anlage gäbe es in ganz Europa nicht. Kinderhorte, Studentendorf und Schulen liegen keine 200 Meter entfernt. Geruchsemissionen sollen nur „weitgehend“ vermieden werden. Im 1000-Meter-Geruchskreis liegen die Tübinger Stadtviertel WHO, Sand, Wanne und das Gebiet runter zur Waldhäuserstraße und Winkelwiese.

Während auf dem Depot-Gelände Wohnungen mit Zwangsbelüftung entstehen, wird die beste Höhenlage in der Stadt mit Sauställen zugebaut. Ein Stadtratskollege forderte für die Ställe eine „hochwertige Architektur“. Über ähnlichen Wahnsinn berichtet schon der 10. Gesang der Odyssee: Die sich becircen ließen, wurden in Schweine verwandelt.

Anton Brenner
Stadtrat der Linken

Übliche Verdächtige und Begünstigte stützen Russ-Scherer. Interessant ist, wer fehlt.

Die Liste der öffentlichen Unterstützer Russ-Scherers im Schwäbischen Tagblatt vom 19.10.2006 liest sich wie ein Auszug aus der SPD-Mitgliedskartei, angereichert mit einigen, die von der Oberbürgermeisterin abhängig sind bzw. von ihr profitiert haben.

Es fehlen die Hälfte der UFW-WUT-Fraktion, die SPD-Landtagsabgeordnete, 12 von 13 AL-Grünen-Stadträte, alle 9 CDU- und 4 Linken-Stadträte. Das wären 30 von 48 im Stadtrat. Wenn die CDU und einige Linke nicht noch politischen Selbstmord begehen, könnte dies eine Mehrheit jenseits und nach Russ-Scherer bedeuten.

PS nach der Wahl:
Während immerhin noch 37,5% des Gemeinderats Russ-Scherer unterstützen, sank die Zustimmungsrate bei den Wählern auf 30,2 Prozent. 69,8 Prozent der Tübinger hatten die Nase voll.

Gläsernes Rathaus

DIE LINKE. in Tübingen

Linksjugend ['solid]

Heike Hänsel (MdB)

Tobias Pflüger (MdEP)

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