Tübingen ist die Heimsuchung Russ-Scherer los. Schweineställe in Halbhöhenlage gaben ihr den Rest.
Bericht der Südwestpresse vom 23. Oktober 2006:
Boris Palmer wird neuer OB
Amtsinhaberin weit abgeschlagen
Boris Palmer hat einen triumphalen Erfolg bei der OB-Wahl in Tübingen errungen. Schon im ersten Wahlgang erreichte der Grüne die absolute Mehrheit.
Rhythmisches Klatschen empfing Boris Palmer, als er gestern Abend kurz vor sieben Uhr den Tübinger Gemeinderatssaal betrat. Mit ernster Miene bahnte er sich einen Weg durch die jubelnde Menge. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht der letzte Wahlbezirk ausgezählt, aber die Sache war bereits klar: Palmer wird der neue Tübinger OB, und Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer (SPD) muss nach acht Jahren den Oberbürgermeister-Sessel im Rathaus wieder räumen. Der 34-jährige Landtagsabgeordnete der Grünen fuhr bei einer Wahlbeteiligung von 51,6 Prozent gleich im ersten Wahlgang 50,4 Prozent der Stimmen ein, die 16 Jahre ältere Russ-Scherer kam nur auf 30,2 Prozent. Dieser Sieg überraschte alle. "Mit diesem sensationellen Erfolg hat kein einziger von uns gerechnet", bekannte Grünen-Bundestagsabgeordneter Winfried Hermann, "20 Prozent Abstand ist überwältigend gut." Auch Palmer-Unterstützer Gerhard Schnaitmann hatte vorausgesagt, dass die Wahl erst im zweiten Wahlgang entschieden wird. Niedergeschlagen näherte sich Russ-Scherer ihrem Nachfolger und gratulierte ihm zu seinem Sieg. Dann sagte sie "Tschüss" und verließ den Ratssaal. Ihr größter Gegner im Gemeinderat, Anton Brenner von der "Tübinger Linken", kommentierte: "Die Heimsuchung sind wir los. Der Schweinepalast hat ihr den Rest gegeben." Er spielte dabei auf die geplante Ansiedlung des Pharma-Konzerns Boehringer Ingelheim an, der in Tübingen ein Tier-Forschungszentrum für 600 Schweine bauen möchte. Russ-Scherer hatte die Ansiedlung als Geschenk für Tübingen bezeichnet, jedoch großen Widerstand ausgelöst. Auch die Tübinger Baubürgermeisterin Ulla Schreiber (Grüne) zeigte sich zufrieden über die Abwahl Russ-Scherers: "Ich hoffe, dass der negative Stress vorbei ist und dass die teamorientierte Arbeit in der Stadtverwaltung wieder greift." Palmer sagte, sein Sieg sei keine Abrechnung der Tübinger mit Russ-Scherer, sondern ein Erfolg seines zukunftsgerichteten Programms. Neuer Anlauf in Heidelberg Die Heidelberger müssen in drei Wochen abermals über einen neuen Oberbürgermeister abstimmen. Im ersten Wahlgang erhielt der parteilose Umweltbürgermeister Eckart Würzner (44) zwar 47,4 Prozent der gültigen Stimmen, er verfehlte damit aber die absolute Mehrheit. Die Medienwissenschaftlerin Caja Thimm (48) von den Grünen kam auf 33,6 Prozent. Amtsinhaberin Beate Weber (SPD) ist nach 16 Jahren nicht mehr angetreten.
Text: RAIMUND WEIBLE
Boris Palmer wird neuer OB
Amtsinhaberin weit abgeschlagen
Boris Palmer hat einen triumphalen Erfolg bei der OB-Wahl in Tübingen errungen. Schon im ersten Wahlgang erreichte der Grüne die absolute Mehrheit.
Rhythmisches Klatschen empfing Boris Palmer, als er gestern Abend kurz vor sieben Uhr den Tübinger Gemeinderatssaal betrat. Mit ernster Miene bahnte er sich einen Weg durch die jubelnde Menge. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht der letzte Wahlbezirk ausgezählt, aber die Sache war bereits klar: Palmer wird der neue Tübinger OB, und Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer (SPD) muss nach acht Jahren den Oberbürgermeister-Sessel im Rathaus wieder räumen. Der 34-jährige Landtagsabgeordnete der Grünen fuhr bei einer Wahlbeteiligung von 51,6 Prozent gleich im ersten Wahlgang 50,4 Prozent der Stimmen ein, die 16 Jahre ältere Russ-Scherer kam nur auf 30,2 Prozent. Dieser Sieg überraschte alle. "Mit diesem sensationellen Erfolg hat kein einziger von uns gerechnet", bekannte Grünen-Bundestagsabgeordneter Winfried Hermann, "20 Prozent Abstand ist überwältigend gut." Auch Palmer-Unterstützer Gerhard Schnaitmann hatte vorausgesagt, dass die Wahl erst im zweiten Wahlgang entschieden wird. Niedergeschlagen näherte sich Russ-Scherer ihrem Nachfolger und gratulierte ihm zu seinem Sieg. Dann sagte sie "Tschüss" und verließ den Ratssaal. Ihr größter Gegner im Gemeinderat, Anton Brenner von der "Tübinger Linken", kommentierte: "Die Heimsuchung sind wir los. Der Schweinepalast hat ihr den Rest gegeben." Er spielte dabei auf die geplante Ansiedlung des Pharma-Konzerns Boehringer Ingelheim an, der in Tübingen ein Tier-Forschungszentrum für 600 Schweine bauen möchte. Russ-Scherer hatte die Ansiedlung als Geschenk für Tübingen bezeichnet, jedoch großen Widerstand ausgelöst. Auch die Tübinger Baubürgermeisterin Ulla Schreiber (Grüne) zeigte sich zufrieden über die Abwahl Russ-Scherers: "Ich hoffe, dass der negative Stress vorbei ist und dass die teamorientierte Arbeit in der Stadtverwaltung wieder greift." Palmer sagte, sein Sieg sei keine Abrechnung der Tübinger mit Russ-Scherer, sondern ein Erfolg seines zukunftsgerichteten Programms. Neuer Anlauf in Heidelberg Die Heidelberger müssen in drei Wochen abermals über einen neuen Oberbürgermeister abstimmen. Im ersten Wahlgang erhielt der parteilose Umweltbürgermeister Eckart Würzner (44) zwar 47,4 Prozent der gültigen Stimmen, er verfehlte damit aber die absolute Mehrheit. Die Medienwissenschaftlerin Caja Thimm (48) von den Grünen kam auf 33,6 Prozent. Amtsinhaberin Beate Weber (SPD) ist nach 16 Jahren nicht mehr angetreten.
Text: RAIMUND WEIBLE
Anton Brenner - 2006/10/23 13:33
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