Trauerbeflaggung im Tübinger Rathaus - doch ganz Deutschland will keinen Tierversuchs-Saustall von Boehringer

"Russ-­Scherer glaubt, dass Boehringer nach den hiesigen Erfahrungen eher im europäischen Ausland fündig wird." - schreibt das Schwäbische Tagblatt am 30.11.2006.

Tübingen war also die einzige Möglichkeit für Boehringer, in Deutschland seine Versuchs-Schweineställe unterzubringen. Eine Neugenehmigung für Sicherheitslabore scheint doch nicht so einfach zu sein. Die Altgenehmigungen auf der Oberen Viehweide waren Gold wert. Aus den USA müssen sie wegen der angehobenen Sicherheitsstandard abhauen und eine Gegend suchen, wo ihnen nicht auf die Finger geschaut wird. Im Schwäbischen Tagblatt ist dies harmloser formuliert: "Der Tierpharma-­Bereich ist derzeit vor allem in den USA angesiedelt. Ihn will Boehringer nach Europa holen, da infolge der amerikanischen Antiterror-­Gesetze die Einfuhr biologischen Materials nach Eichenbergs Kenntnis „extrem schwierig“ geworden ist."

Die Boehringer-Leute sind natürlich nicht scharf darauf, ausgegrenzt auf eine Insel der Ostsee (wo dann auch prompt die Vogelgrippe ausbrach) ziehen zu müssen, wozu die 200 Mitarbeiter der Tübinger Bundesanstalt für Virenforschung gezwungen wurden.

Aber ohne alle Karten auf den Tisch zu legen, ist so eine Ansiedlung in zivilisierten Gegenden nicht zu bekommen. Die Tübinger haben sich zurecht gefragt, weshalb ausgerechnet Tübingen als Standort ausgesucht wird, um strengen Auflagen wie in den USA zu entgehen. Und weshalb ausgerechnet Tübingen, wenn sonst nur das europäische Ausland (von Polen war die Rede) in Frage kommt. Und das auf einem Standort, mitten in der Stadt. Das Gelände lag außerhalb Tübingens, als die Hochsicherheitslabore gebaut wurden. Heute liegen rings herum Wohngebiete mit Schulen und Kindergärten. Stadtväter, Stadtmütter und Bürgermeister müssen schon recht heruntergekommen sein, wenn sie so die Sicherheitsinteressen ihrer Mitbürger für ein Linsenmus ohne Information und Diskussion verkaufen wollten. Das ganze sollte ja am 16.10.2006, drei Wochen nach dem ersten Bekanntwerden im Planungsausschuss, wo bis auf einen alle stramm standen, und sechs Tage vor der Oberbürgermeisterwahl beschlossen werden. Was sicher auch so gelaufen wäre, wenn die Linke und die von ihr informierte freie Presse nicht aufgepasst hätten.

Gläsernes Rathaus

DIE LINKE. in Tübingen

Linksjugend ['solid]

Heike Hänsel (MdB)

Tobias Pflüger (MdEP)

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