Bernd Melchert im Tagblatt über Arbeitszeit und Lohnforderungen
"Das wäre genauso, wie wenn man den Papst dafür gewinnen wollte, im Vatikan die Vielweiberei einzuführen."Bernd Melchert, Betriebsrat bei der Walter AG, zum Versuch der Firmenleitung, die Belegschaft von der Notwendigkeit unbezahlter Mehrarbeit zu überzeugen
In der Chefetage der Walter AG fühlt sich da offenbar niemand so recht angesprochen. Laut Bernd Melchert, dem Betriebsratsvorsitzenden des Derendinger Metallbetriebs, hat der zur schwedischen Sandvik-Gruppe gehörende Werkzeug-Hersteller in den vergangenen Jahren prächtige Gewinne gemacht – „und heuer wird es noch mehr“. Trotzdem habe die Geschäftsleitung jetzt die Vereinbarung über die Erfolgsbeteiligung aufgekündigt, die einem durchschnittlich verdienenden Mitarbeiter bislang rund 700 Euro brutto beschert. Diesen Bonus soll es nächstes Jahr nur noch geben, wenn die Belegschaft bereit ist, die wöchentliche Arbeitszeit um drei auf 38 Stunden zu erhöhen – ohne Lohnausgleich.
Mehr denn je geschuftet
Das, da ist sich Melchert absolut sicher, sei mit seinen Kollegen, die in diesem Jahr „mehr denn je geschuftet“ haben, nicht zu machen: „Das wäre genauso, wie wenn man den Papst dafür gewinnen wollte, im Vatikan die Vielweiberei einzuführen.“ Nachdem es die Wirtschaft „trotz riesiger Gewinne“ geschafft habe, die Realeinkommen der Beschäftigten unter das Niveau von 1990 zu drücken, sei jetzt ganz anderes angesagt: „Die Metaller in der Autoindustrie reden bereits von neun Prozent.“ Mit einem so dicken Plus rechnet Melchert bei der nächsten Lohnrunde zwar nicht, aber: „Über fünf Prozent müssen es schon werden – mal sehen, wie begeistert die Politiker davon sind und ob sie sich dann noch an ihr heutiges Geschwätz erinnern!“
frederic - 2006/12/09 12:08
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