GLÄSERNES RATHAUS: Dr. Kurt Sütterlin (FDP) und Hans Schreiber (SPD) zünden feuchten Rohrkrepierer im Ältestenrat

Kurioses Weihnachts-Oratorium im Tübinger Ältestenrat zwei Tage vor Weihnachten.

Boris Palmer tritt erst am 11. Januar 2007 sein Amt als Tübinger Oberbürgermeister an. Das Störfeuer gegen ihn läuft aber ununterbrochen seit seiner Wahl am 22. Oktober 2006. Die Tübinger SPD-Gemeinderatsfraktion pflegt seither so eine Art Bunkermentalität und verballert die letzte Munition, als sei sie mitten im zweiten Wahlgang. Unterstützung findet sie bei der Tübinger FDP um Schöning und Sütterlin und zwei bis drei UFW-lern, die sich in den falschen Schützengraben verirrt haben.

Was ist passiert?

70 Prozent der Tübinger haben die erfolgreichste Tübinger Oberbürgermeisterin aller Zeiten, die SPD-Politikerin Brigitte Russ-Scherer, mit einem kräftigen Tritt in den Allerwertesten aus dem Rathaus befördert. Das tut weh. Zumal die SPD-Fraktionsvorsitzende Erika Braungardt-Friedrichs noch kurz vor Schließung der Wahllokale mit 55 Prozent plus X für ihre Parteigenossin gerechnet hatte. Und die Höflinge Russ-Scherers in der FDP sind seit dem Wahlergebnis auch von allen guten Geistern verlassen, da sie auf das falsche Pferd gesetzt hatten.

Seither vergeht fast keine Woche, in der Dr. Sütterlin und Dietmar Schöning von der FDP, die Herren Rosemann, Schreiber und te Wildt von der SPD und die SPD-Stadträtinnen Braungardt-Friedrichs, Le Lan und Rittberger-Rückert Gift und Galle gegen Boris Palmer spucken. Besonders dackelhaft wirkt, dass die SPD-Damen Braungardt-Friedrichs, Rittberger-Rückert und Miller-Poth ihre Ehegatten an die Leserbrief-Front schicken. Wahrscheinlich nehmen sie sich ihre Meisterin Russ-Scherer zum Vorbild, die ebenfalls ihren Gemahl zum Frontdienst und zum "Arschloch"-Schimpfen aufhetzte.

Karnevalistischer Höhepunkt war bisher die Attacke, die der forsche Prof. Rittberger für seine Gattin ritt. Er forderte Boris Palmer vor Amtsantritt zum Rücktritt auf, weil er in der Stadt der skatologischen Gogenwitze einen harmlosen Witz über einen Bürgermeister riss, der zu seiner Zeit der jüngste Oberbürgermeister Deutschlands war, Figgen hieß und davon scheinbar etwas verstand. Rittberger musste sich in den Leserbriefspalten und in der überregionalen Presse mancherlei Spott anhören bis hin zu Winken mit dem Zaunpfahl "wer im Glashaus sitzt ..."

Am Freitagabend vor Weihnachten wurde nun der Ältestenrat des Gemeinderats zusammengetrommelt. Ich dachte schon, Tübingen stünde vor einer größeren Katastrophe und es bestehe Gefahr für Leib und Leben der Bürgerschaft. Doch auf der Sitzung traute ich meinen Ohren nicht. Was überall selbstverständlich ist, dass die Amtseinführung eines neuen Bürgermeisters in einem größeren Saal stattfindet, wurde zum Skandal aufgeblasen. Dr. Sütterlin (FDP) bramarbasierte von einer uralten ehrwürdigen Tradition im Tübinger Rathaus. In der Beteiligung der Bürger bei der Amtshandlung sah er eine Missachtung des Gemeinderats. Schreiber (SPD) spielte die beleidigte Leberwurst, er werde keinen Fuß in den Museum-Saal setzen und werde sich wegen einer Beerdigung entschuldigen.

Dabei hatte die Entscheidung, die Vereidigung im Museum abzuhalten statt im zu kleinen Rathaus, der erste Bürgermeister der Stadt Tübingen Lucke getroffen, da er in der Zeit zwischen dem Verschwinden von Brigitte Russ-Scherer und der Erscheinung von Boris Palmer die Amtsgeschäfte leitet. Schön zu sehen, dass er und der Hofmarschall Großhans dem designierten Oberbürgermeister treu bei Fuß gehen, sich nicht getrauen, offen zu widersprechen, allenfalls hinten herum intrigieren. So sind wir es gewohnt. So muss es sein. Etwas Kontinuität muss ja sein.

Von Kontinuität und hohler Tradition hält Boris Palmer offensichtlich nichts. Den Traditionsbeschwörern von FDP und SPD kam er mit der noch älteren plebiszitären Tradition der alten Germanen und entschuldigte sich ironisch, dass er die hohen Räte in dieser Schicksalsfrage, in der der Rat sowieso nichts zu sagen hat, nicht konsultiert habe. Aber machen werde er sowieso, was er für richtig halte. Und so zogen denn die begossenen Pudel Dr. Sütterlin, Schreiber und Braungardt-Friedrichs mit ihrem vorzeitig gekommenen Silvesterkracher maulend ab wie sie gekommen waren. Ein Abstimmung fand nicht statt, da sich die Fraktionsspitzen von CDU, Grünen und Linken nur über die Tolpatschigkeit von SPD und FDP amüsierten und der UFW-WUT-Fraktionsvorsitzende bei dem vorweihnachtlichen Firlefanz auch nicht mitmachen wollte. Bürgermeister Luckes Widerstandsgeste bestand darin, dass er das von Palmer erhaltene Weihnachtsgeschenk (Öko-Schokolade) an die grüne Fraktionsvorsitzende weiterreichte.

Zu Protokoll wurde gegeben, dass sich Dr. Sütterlin dagegen verwahrte, dass ich seine gespielte Empörung als Humbug bezeichnete. Mein Vorschlag an die SPD, doch den erfahrenen Haudegen Prof. Rittberger mit einer neuen Rücktrittsattacke auf Palmer zu betrauen, wurde leider nicht aufgegriffen. Stattdessen wurde der arme Friedrichs von seiner Gattin Erika zu einem Leserbrief vergattert.

P.S.: Eigentlich wollte ich über diesen Schmarren nichts schreiben, da ja der ganze Gemeinderat durch diese SPD-FDP-Posse blamiert ist, wenn sie bekannt wird. Da die SPD-Fraktion aber unter Blamagezwang steht und eine öffentliche Debatte im Schwäbischen Tagblatt losgetreten hat, schadet es nicht weiter, wenn etwas aus dem Ältestenrat, der immer mehr zum Narrenrat wird, an die Öffentlichkeit kommt.

Gläsernes Rathaus

DIE LINKE. in Tübingen

Linksjugend ['solid]

Heike Hänsel (MdB)

Tobias Pflüger (MdEP)

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