Tübingen: Kleines Welttheater oder Narrenspital?

Josef-Otto Freudenreich karikierte in der Stuttgarter Zeitung Tübinger Geistesgrößen, Rebellensöhne, Spießer und Kobolde unter der Überschrift
Tübingen: eine Stadt, die keiner kapiert
Die Welt auf der kleinen Bühne am Neckar



Auf Seite 3 der Stuttgarter Zeitung war am 23. Januar 2007 ein Tübingen-Portrait zu lesen, das dem Schwäbischen Tagblatt nur einige unwirsche Zeilen wert war. Deshalb hier einige Zitate:

Kiesinger, Jens & Küng
"Neben Kiesinger liegen? Er, Rhetor der Republik, neben König Silberzunge, der einst bei Ribbentrop Propaganda machte? Nur weil die Stadt ihre Großen beieinander haben will? Nicht mit ihm. Er wolle höher hinaus, ließ Walter Jens das Rathaus wissen, in den oberen Teil des Stadtfriedhofs, wo Ludwig Uhland liegt. ... irgenwann wird auch Freund Hans Küng (78) als Nachbar grüßen. Das Weltethos hat sich den Jensens angeschlossen, und wenn sie einmal gestorben sind, wird die geistige Weite vom Friedhof in die Stadt getragen."

Brigitte Russ-Scherer
Die abgewählte Oberbürgermeisterin Russ-Scherer habe es in Tübingen vergeigt, weil man von ihrer Zuschwallerei nicht mehr losgekommen sei: „Die Herren von der Uni und den Banken hätten sich gerne versteckt, wenn die Dame auf sie zugesteuert sei. Man sei dann nicht mehr von ihr losgekommen. Im Wahlkampf hätten deshalb nur die Professorengattinnen und die von ihnen bevorzugten Boutiquen Flagge für Russ-Scherer gezeigt“.

Boris Palmer
Der „Sohn des Remstalrebellen Palmer“ habe es „viel raffinierter gemacht“ und imponiere selbst einem Christian Riethmüller, da er global denke (z.B. „dass auch die Linkspartei eine bundesweite Option für die Grünen wäre, wenn sich das Kapital nicht quer legen würde, Zu viel Geld würde dann ins Ausland fliehen“) und wie Al Gore und Leonardo DiCaprio einen Toyota Hybriden fahre.

Christian Riethmüller
Riethmüller vermutet sogar, dass Tübingen als Erstes hier schreien würde, wenn in Deutschland der Kommunismus eingeführt würde“, zitierte sogar das Schwäbische Tagblatt. Nicht aber: „wenn er gegen die Punker einen Leserbrief schreibe, würden sogar Kunden kündigen. Seitdem schreibt er weniger.“ „Riethmüller jr. hat bei einer Londoner Bank und bei Aldi gelernt und verzweifelt oft an seiner Stadt“. Weshalb ist er als Machtzentrum zusammen mit Russ-Scherer gescheitert? „Da hat sich der Handels- und Gewerbeverein eingemischt und der Oberbürgermeisterin, in Gestalt des Vorstandsmitglieds Christian Riethmüller, mehrfach einen Führungscoach empfohlen. Das habe sie brüsk abgelehnt, so der Osiander-Geschäftsführer.“

Tagblatt, Schmid, Wicker, Kroymann
Das Schwäbische Tagblatt „mäandriert“ nach Freudenreichs Meinung „mit reduzierter Mannschaft durch die Stadt“. Früher habe es wenigstens noch Machtzentren gegeben „beim Essen in der Krone oder nach dem Kicken im Sportinstitut“ mit „Oberbürgermeister Schmid, dem Regierungspräsididenten Wicker, Landrat Kroymann und den Bankchefs“. „Und früher gab es auch noch Christoph Müller, den Cäsar des Lokaljournalismus. In seinem Schwäbischen Tagblatt hob oder senkte er den Daumen ...“

Professor Rittberger
Wenn es so etwas gibt, was Tübingen im Ungefähren beschreibt, dann ist es das wunderbare Sprachrohr des Bürgers“, meint die Stuttgarter Zeitung. „Hier wird Palmer von einem leibhaftigen Friedens- und Konfliktforscher wegen einer Zote zum Rücktritt aufgefordert. You crossed the line. So sagt man das in Tübingen, wobei die Linie stets auf Höhe des häuslichen Horizonts liegt. Im Falle des Professors war er durch die Gattin markiert, die für die SPD im Gemeinderat sitzt.“

Christoph Müller und Anton Brenner
„Hier ist die Tübinger Polis, die kleine Bühne, auf der die Welt nachgestellt wird.“
Der „Listigste unter den Schamverletzern“ nutze es „bis zum Anschlag“. Anton Brenner, „seit acht Jahren im Stadtrat für die PDS“, sei „der schlimmste Finger in der Stadt, sagen seine Gegner, von denen er viele hat. Der Meister der straffreien Invektive (Russen-Inkasso bei den Stadtwerken) beleidigt alle, mit Vorliebe die SPD-OB, was seine Popularität enorm steigerte. Er sei einfach in das Vakuum gesprungen, behauptet der Religionspädagoge, das Tagblattchef Müller zurückgelassen habe. Brenner als Wiedergänger des begnadeten Polarisierers – ein verwegener Vergleich vielleicht, aber kein Hirngespinst. Auch Brenner ist ein Spieler. Er hat dieselbe Lust an der Provokation, dasselbe Gespür für Aufreger, für Themen, die im Seichten schlummern und der Wahrheit nicht unbedingt standhalten müssen. Müller hatte dafür sein Tagblatt, Brenner seine Leserbriefe und die eigene Besenwirtschaft, in der das Volk sagte, was es dachte, inclusive der Herren Wicker und Kroymann. Der Linke Kobold ist wahrscheinlich der ideelle Gesamttübinger, in dem sich eine Stadt widerspiegelt, die keiner kapiert.“

Gläsernes Rathaus

DIE LINKE. in Tübingen

Linksjugend ['solid]

Heike Hänsel (MdB)

Tobias Pflüger (MdEP)

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