Tübingen wird Toybingen. Toyota wird nach der Bertelsmann-Stiftung neuer Mentor Tübingens
Mittwochspalte 14.03.2007
TOYHALLA statt Bertelsmann
Wenn auch die letzte Bedürfnisanstalt ein Leitbild hat („wir sind kundenorientiert und pinkeln im Sitzen“) und nach ISO 9815 zertifiziert ist, werden Behörden, Schulen, Kliniken und Altenheime still und verschämt den Bertelsmann-Stiftungs-Unsinn in den Papierkorb werfen. Wenn dann noch jemand die Unworte „Qualitätsmanagement, Leitbildprozess, Benchmarking, Controlling, Zertifizierung, Zielvereinbarung und Evaluation“ in den Mund nimmt, werden sich alle auf die Schenkel klopfen und in brüllendes Gelächter ausbrechen.
Noch ist es nicht soweit. Der gröbste Blödsinn ist jedoch im Tübinger Rathaus per Ordre de Mufti Palmer abgeschafft. Und siehe da: Auch die einst eifrigsten Anhänger der matrixorientierten Prozessorganisation verdrehen nur noch die Augen, wenn sie mit den Begriffen der verflossenen Bertelsfrau-Workshop-Phrasendrescherei konfrontiert werden. Die Wunden des Wahlkampfs sind verheilt. Professor Rittberger hat vermutlich Schreibverbot. Die große Koalition als gelbem Sack, grüner Tonne, dem SPD-Zausel- und Oberlehrerinnen-Chor und der Tübinger Rest-Bürgerlichkeit (CDU/UFW/WUT) folgt ihrem alt-neuen Tambourmajor von der kleinsten Partei (Schöning, FDP) in die jetzt entgegengesetzte Richtung. In Tübingen wackelt der Schwanz weiter mit dem Hund. Doch der neue Oberbürgermeister regiert nicht mehr mit Zeit- und anderem Druck, sondern mit der schärfsten Waffe, dem Lob („so ein toller Gemeinderat – nachher geben Lucke und ich einen aus“). – Und das ist gut so.
Statt mit der Bertelsmann-Stiftung ist nun der Name Tübingen mit TOYOTA verknüpft. Über 15000 Nennungen spuckt die Gôgen-Suchmaschine Google aus, wenn man „Toyota Prius Boris Palmer“ eingibt. Tübingen ist ja immer noch auf der Suche nach einem Großsponsor für die TüArena. Für eine Million, so hieß es, bekomme die Halle den Sponsoren-Namen. Bei TOYOTA dürften es auch zwei Millionen sein, - bei dem Werbeerfolg. TOYHALLA oder HybridArena wären mögliche Namen. Aus den Basketball-Tigers werden Toygers (Schlachtruf: „Toy, toy, toy“). Wir wollen ja nicht gleich fordern, dass sich TOYOTA in TUEOTA umbenennt. Es genügt, wenn in Japan Tübingen als Toybingen wahrgenommen wird und ein nicht abreißender Toyristen-Strom unsere Altstadt rettet. VW kommt leider zu spät mit den Anzeigen („wenn das der OB gewusst hätte“) für den Polo, der mit 102 g CO2 und 3,9 Liter Verbrauch den Prius um Längen schlägt. Polonium-Arena wäre zu grenzwertig und ein Poloni-Haus haben wir ja schon.
Anton Brenner
Stadtrat der Linken
TOYHALLA statt Bertelsmann
Wenn auch die letzte Bedürfnisanstalt ein Leitbild hat („wir sind kundenorientiert und pinkeln im Sitzen“) und nach ISO 9815 zertifiziert ist, werden Behörden, Schulen, Kliniken und Altenheime still und verschämt den Bertelsmann-Stiftungs-Unsinn in den Papierkorb werfen. Wenn dann noch jemand die Unworte „Qualitätsmanagement, Leitbildprozess, Benchmarking, Controlling, Zertifizierung, Zielvereinbarung und Evaluation“ in den Mund nimmt, werden sich alle auf die Schenkel klopfen und in brüllendes Gelächter ausbrechen.
Noch ist es nicht soweit. Der gröbste Blödsinn ist jedoch im Tübinger Rathaus per Ordre de Mufti Palmer abgeschafft. Und siehe da: Auch die einst eifrigsten Anhänger der matrixorientierten Prozessorganisation verdrehen nur noch die Augen, wenn sie mit den Begriffen der verflossenen Bertelsfrau-Workshop-Phrasendrescherei konfrontiert werden. Die Wunden des Wahlkampfs sind verheilt. Professor Rittberger hat vermutlich Schreibverbot. Die große Koalition als gelbem Sack, grüner Tonne, dem SPD-Zausel- und Oberlehrerinnen-Chor und der Tübinger Rest-Bürgerlichkeit (CDU/UFW/WUT) folgt ihrem alt-neuen Tambourmajor von der kleinsten Partei (Schöning, FDP) in die jetzt entgegengesetzte Richtung. In Tübingen wackelt der Schwanz weiter mit dem Hund. Doch der neue Oberbürgermeister regiert nicht mehr mit Zeit- und anderem Druck, sondern mit der schärfsten Waffe, dem Lob („so ein toller Gemeinderat – nachher geben Lucke und ich einen aus“). – Und das ist gut so.
Statt mit der Bertelsmann-Stiftung ist nun der Name Tübingen mit TOYOTA verknüpft. Über 15000 Nennungen spuckt die Gôgen-Suchmaschine Google aus, wenn man „Toyota Prius Boris Palmer“ eingibt. Tübingen ist ja immer noch auf der Suche nach einem Großsponsor für die TüArena. Für eine Million, so hieß es, bekomme die Halle den Sponsoren-Namen. Bei TOYOTA dürften es auch zwei Millionen sein, - bei dem Werbeerfolg. TOYHALLA oder HybridArena wären mögliche Namen. Aus den Basketball-Tigers werden Toygers (Schlachtruf: „Toy, toy, toy“). Wir wollen ja nicht gleich fordern, dass sich TOYOTA in TUEOTA umbenennt. Es genügt, wenn in Japan Tübingen als Toybingen wahrgenommen wird und ein nicht abreißender Toyristen-Strom unsere Altstadt rettet. VW kommt leider zu spät mit den Anzeigen („wenn das der OB gewusst hätte“) für den Polo, der mit 102 g CO2 und 3,9 Liter Verbrauch den Prius um Längen schlägt. Polonium-Arena wäre zu grenzwertig und ein Poloni-Haus haben wir ja schon.
Anton Brenner
Stadtrat der Linken
Anton Brenner - 2007/03/17 12:16
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