Eine Unterschriftenaktion des Tübinger Bündnisses gegen Sozialabbau an die Landesregierung von Baden-Württemberg
unter:
http://tuebingengegensozialabbau.twoday.net/stories/3472330/
frederic - 2007/04/23 03:33
Leserbrief - 20.04.07 - Emanuel Peter
Der Leserbrief von Herrn Borst zeigt, Deutschland hat in einigen Bildungsbereichen nicht mal das Niveau eines Entwicklungslandes. Denn die Zustände an der Pfrondorfer Grundschule gibt es auch in Rottenburg und anderswo im „Kinderland Baden-Württemberg“.
Als die PISA-Ergebnisse bekannt wurden, dachte ich, die sprichwörtliche Stuttgarter Arroganz verhindere, von erfolgreichen skandinavischen Schulmodellen zu lernen oder die Elternproteste gegen den Aktionismus bei der G8-Einführung ernst zu nehmen. Inzwischen glaube ich, es liegt nicht nur am Können, sondern am Wollen. Angesichts der Steuermehreinnahmen des Landes (1,8 Milliarden Euro allein 2006) und niedrigerer Schülerzahlen könnte man Schüler besser fördern. Aber man will nicht!
Jetzt werden 900 Lehrerstellen gestrichen, weitere Unterrichtsausfälle bewusst einkalkuliert. Bei uns werden Kinder vom Kindesalter bis zum Studium nach dem Geldbeutel der Eltern ausgelesen: Elterngeld und Tagesmütter, Nachhilfeunterricht von der Grundschule an (vier Milliarden Euro pro Jahr), kostenpflichtige „Zusatzangebote“ in Ganztagsschulen, Studiengebühren.
Kinder von ALG-II-Beziehern: 9,12 Euro für Spielzeug pro Jahr. Das hat nichts mehr mit Bildung und Pädagogik zu tun! Die Untätigkeit bei der Hauptschulreform und der ungehemmte Stress im achtjährigen Gymnasium haben eins gemeinsam: Statt Kindern entsprechend ihrem Alter und ihren Fähigkeiten zu helfen, soll unerträglicher Leistungsdruck (37 Wochenstunden mit 13 Jahren, Mama als Nachhilfe) Schulversagen als individuelle Schuld im Kopf verankern.
Unser Bildungssystem wird von den Regierenden bewusst an die Wand gefahren, um Ausgaben zu senken. Aber Bildung ist Pflichtaufgabe der Gesellschaft! Reformen haben Erfolg, wenn Eltern mit der GEW gemeinsam eintreten für Klassenteiler 25, mehr Stellen für Förderung und Vertretung, zehntes Pflichtschuljahr mit qualifiziertem Abschluss an Hauptschulen.
Dr. Emanuel Peter, Rottenburg
frederic - 2007/04/23 02:12