Mittwochsspalte - 04.07.2007 - Traudel Horn-Metzger

Genug geredet und geschrieben zum Thema Hauptschule und der Tauglichkeit eines Schulsystems, das der frühen Auslese huldigt und Chancengleichheit hinten anstellt. Früher Stress und Druck auf die Kleinsten in der Grundschule –von zu hause, von der Schule, in Konkurrenz untereinander –Versagensängste, und dann, zu den Verlierern gehörend: „nur“ Hauptschulempfehlung!! „In europäischen Ländern, in denen eine frühe Differenzierung der Schüler vorgenommen wird, sind grössere Unterschiede bei den Leistungen der Schüler festzustellen als in Ländern mit stärker integrierten Schulsystemen.“ (EU-Bildungsminister). Der sozialistischen Egalitätsbestrebungen sicher unverdächtige Dieter Phillip, Zentralverband des Dt. Handwerks plädiert für die 9jährige Basisschule (Mehr Mut für eine bessere Bildung, Schriftenreihe: Positionen des Dt. Handwerks). Hamburg will ab August 2009 die Stadtteilschule einführen, eine mögliche Lösung auch für die Entwicklung in der Tübinger Schullandschaft.
„The times they are a-changin“ liebe CDU in Baden-Württemberg und im Tübinger Rat: Auch der Bauer spannt im Märzen sein Rösslein nicht mehr an.
Der bilinguale Zug führte zu kontroversen Diskussionen. Sicher ist: Diejenigen Kinder, die aufgrund zu schwacher schulischer und sprachlicher Leistungen für diesen Zug nicht in Frage kommen, müssen eine individuelle Förderung erfahren, in kleineren Klassen und mit individueller Betreuung. Einzelförderung findet schon länger an der Hügelschule statt. Na prima, höre ich mich sagen. Allerdings: Diese Arbeit wird von 1Euro-Jobbern gemacht, von diesen Lehrkräften müssen die meisten nach einem Jahr wieder aufhören – Pädagogik der Kontinuität ??- und eine Firma auf dem stark umworbenen Bildungsmarkt bekommt für jede Lehrkraft auch noch ca. 500 Euro im Monat von der Arbeitsagentur. Super, oder ?
Ein Thema für den Tübinger Gemeinderat ist die Einrichtung eines kommunalen Fonds für die Erstausstattung zur Einschulung von Kindern, die von Hartz IV leben. Die etwaigen Kosten werden auf ca. 200 Euro geschätzt (Schulranzen, Erstausstattung, Sportkleider, Schultüte,...), das ist schon fast der gesamte Regelsatz für ein Kind im Monat.
Das ARD Magazin Kontraste hat am 28.06.2007 auf ein Problem aufmerksam gemacht, welches auch in unserer Stadt aktuell ist, bzw. wird. Es geht darum, dass ein Mittagessen in der Schule zwischen 2,60 und 3,80 Euro kostet. Dies führt nach dem ARD-Bericht dazu, dass Kinder vom Schulessen ausgeschlossen werden, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, diesen Betrag zu bezahlen. Der Regelsatz von Hartz IV enthält 2,30 Euro für Essen und Trinken pro Tag für ein Kind. Das warme Mittagessen ist darin enthalten und mit 1 Euro veranschlagt. Selbst die Tübinger Bonuskarte garantiert nicht dafür, dass jedes Kind am gemeinsamen Essen in der Schule teilnehmen kann.