Tübinger Kreistag berät über ökologische Vorschläge der Linken
Alles Öko oder was? Anderthalbfache Stromkosten mit zweifelhaftem Öko-Effekt?
Der Kreis Tübinger will etwas für die Ökologie tun. Die Grünen hatten beantragt, auf den teureren Ökostromtarif der Stadtwerke Tübingen umzustellen. Da gibt es zwei Tarife. Bluegreen (Wasserkraft) und Energreen (Wasserkraft und andere erneuerbaren Energien). Aber es gibt natürlich nur eine Stromleitung für alle Stromarten. Deshalb bekommen auch die Ökostromkunden den Energiemix der Stadtwerke, also 78 Prozent aus Atomkraft und fossilen Energieträgern. Die Ökostrom-Kunden können nur tendenziell dafür sorgen, dass der Strombezug aus erneuerbaren Quellen ausgeweitet wird. Wo Bluegreen oder Energreen draufsteht, ist also auch schmutziger Atomstrom aus osteuropäischen Atomkraftwerken drin, da die Stadtwerke Tübingen auch an der Strombörse den günstigsten Strom zu den günstigsten Zeiten einkaufen.
Als „zertifizierter“ Ökostromtarif gilt nur der Stadtwerke-Energreen. Bei „Bluegreen“ blieben viele Fragen offen. Deshalb stellte ich für die Linke im Kreistag den Antrag, die Beschlussfassung zu verschieben und zu prüfen, ob es nicht ökologisch sinnvoller wäre, den Differenzbetrag zwischen dem günstigsten Tarif und dem Energreen-Tarif jährlich für die energetische Modernisierung und Sanierung der Schulen einzusetzen. Damit würden die Ökoziele auf jeden Fall und nachprüfbar erreicht. Gleichzeitig wäre dies ein kleines Programm zur Wirtschaftsförderung im Kreis. Wir fanden eine breite Mehrheit für diesen Antrag bei einigen Gegenstimmen und Enthaltungen aus den Reihen der Grünen und der SPD.
Wie sehen nun die Zahlen aus?
Die Umstellung des jährlichen Energiebedarfs der kreiseigenen Schulen in Höhe von 1 2000 000 kWh vom Normaltarif der Stadtwerke auf den Energreen-Tarif würde zu jährlichen Mehrkosten in Höhe von 59 700.--€ im Jahr führen, steht in der Kreistagsvorlage 323/07/1, also fast ein Drittel mehr kosten. Im letzten Jahr haben die Tübinger Schulen 1 364 612 kWh verbraucht und dafür 214 182.-- € bezahlt. Nach der aktuellen Strompreis-Vergleichstabelle bei verivox (www.verivox.de) kosten 1 200 000 kWh im Jahr beim günstigsten Anbieter (TelDaFax Energy) 172 716.-- € (allerdings bei Vorauskasse), beim Spartarif der Tübinger Stadtwerke wären 213 600.-- € fällig, also 40 884.--€, oder 23,6 % mehr. Der Bluegreen-Tarif der Tübinger Stadtwerke würde 227 880.--€ im Jahr kosten, also 55 164.-- € mehr, oder 32% mehr als der günstigste Anbieter. Der Tübinger Energreen-Tarif käme dem Kreis auf 270 348.-- €. Das sind 97 632.-- € mehr als beim günstigsten Anbieter, oder 56,5% mehr. Gegenüber dem günstigsten Preis der Tübinger Stadtwerke wäre nach dieser Tabelle der Mehrpreis 56 748.-- €, was ca. der Berechnung der Kreistagsvorlage entspricht.
Der Kreis könnte also pro Jahr zwischen 59 700.-- € bis zu 97 632.-- € in die dringend notwendige energetische Sanierung und Modernisierung seiner Schulen stecken, je nachdem, ob er bei den Tübinger Stadtwerken bleibt, den günstigsten Anbieter aussucht oder die Tübinger Stadtwerke auf das Niveau des günstigsten Anbieters herunter verhandelt.
19. Juli 2007
Anton Brenner, Kreisrat der Linken
P.S. und das stand darüber etwas ungenau und durch die grüne Parteibrille gesehen am 20.07.2007 im Tagblatt:
Abwarten mit dem Ökostrom
Kreistag entschied vorerst gegen den Bluegreen-Tarif an Kreisschulen
KREIS TÜBINGEN (hoy). Der Tübinger Kreistag konnte sich am Mittwoch nicht zu der Entscheidung durchringen, in Zukunft für die kreiseigenen Schulen Ökostrom zu beziehen.
Das Thema hatten die Grünen in ihrem Initiativantrag Mitte März angestoßen. Sie schlugen vor, dass der Kreis ein Drittel der Strom-Verbrauchsmenge aus regenerativen Quellen beziehen (Energreen Tarif) und überlegen solle, welche Liegenschaften dafür geeignet sind.
...
Während Grünen-Sprecher Gerd Hickmann nach einer Sitzungspause für einen Beschluss plädierte, hielt Anton Brenner (TüLL) die Angelegenheit für „nicht entscheidungsreif“. Er brachte sogar noch eine dritte Variante mit ins Spiel, wonach der Kreis Stromeinsparungen in „Energie-Projekte“ stecken solle. Auch Klaus Tappeser (CDU) wollte „nichts übers Knie brechen“.
Brenners Vertagungs-Vorschlag bekam gegen die Stimmen der Grünen eine Mehrheit.
Der Kreis Tübinger will etwas für die Ökologie tun. Die Grünen hatten beantragt, auf den teureren Ökostromtarif der Stadtwerke Tübingen umzustellen. Da gibt es zwei Tarife. Bluegreen (Wasserkraft) und Energreen (Wasserkraft und andere erneuerbaren Energien). Aber es gibt natürlich nur eine Stromleitung für alle Stromarten. Deshalb bekommen auch die Ökostromkunden den Energiemix der Stadtwerke, also 78 Prozent aus Atomkraft und fossilen Energieträgern. Die Ökostrom-Kunden können nur tendenziell dafür sorgen, dass der Strombezug aus erneuerbaren Quellen ausgeweitet wird. Wo Bluegreen oder Energreen draufsteht, ist also auch schmutziger Atomstrom aus osteuropäischen Atomkraftwerken drin, da die Stadtwerke Tübingen auch an der Strombörse den günstigsten Strom zu den günstigsten Zeiten einkaufen.
Als „zertifizierter“ Ökostromtarif gilt nur der Stadtwerke-Energreen. Bei „Bluegreen“ blieben viele Fragen offen. Deshalb stellte ich für die Linke im Kreistag den Antrag, die Beschlussfassung zu verschieben und zu prüfen, ob es nicht ökologisch sinnvoller wäre, den Differenzbetrag zwischen dem günstigsten Tarif und dem Energreen-Tarif jährlich für die energetische Modernisierung und Sanierung der Schulen einzusetzen. Damit würden die Ökoziele auf jeden Fall und nachprüfbar erreicht. Gleichzeitig wäre dies ein kleines Programm zur Wirtschaftsförderung im Kreis. Wir fanden eine breite Mehrheit für diesen Antrag bei einigen Gegenstimmen und Enthaltungen aus den Reihen der Grünen und der SPD.
Wie sehen nun die Zahlen aus?
Die Umstellung des jährlichen Energiebedarfs der kreiseigenen Schulen in Höhe von 1 2000 000 kWh vom Normaltarif der Stadtwerke auf den Energreen-Tarif würde zu jährlichen Mehrkosten in Höhe von 59 700.--€ im Jahr führen, steht in der Kreistagsvorlage 323/07/1, also fast ein Drittel mehr kosten. Im letzten Jahr haben die Tübinger Schulen 1 364 612 kWh verbraucht und dafür 214 182.-- € bezahlt. Nach der aktuellen Strompreis-Vergleichstabelle bei verivox (www.verivox.de) kosten 1 200 000 kWh im Jahr beim günstigsten Anbieter (TelDaFax Energy) 172 716.-- € (allerdings bei Vorauskasse), beim Spartarif der Tübinger Stadtwerke wären 213 600.-- € fällig, also 40 884.--€, oder 23,6 % mehr. Der Bluegreen-Tarif der Tübinger Stadtwerke würde 227 880.--€ im Jahr kosten, also 55 164.-- € mehr, oder 32% mehr als der günstigste Anbieter. Der Tübinger Energreen-Tarif käme dem Kreis auf 270 348.-- €. Das sind 97 632.-- € mehr als beim günstigsten Anbieter, oder 56,5% mehr. Gegenüber dem günstigsten Preis der Tübinger Stadtwerke wäre nach dieser Tabelle der Mehrpreis 56 748.-- €, was ca. der Berechnung der Kreistagsvorlage entspricht.
Der Kreis könnte also pro Jahr zwischen 59 700.-- € bis zu 97 632.-- € in die dringend notwendige energetische Sanierung und Modernisierung seiner Schulen stecken, je nachdem, ob er bei den Tübinger Stadtwerken bleibt, den günstigsten Anbieter aussucht oder die Tübinger Stadtwerke auf das Niveau des günstigsten Anbieters herunter verhandelt.
19. Juli 2007
Anton Brenner, Kreisrat der Linken
P.S. und das stand darüber etwas ungenau und durch die grüne Parteibrille gesehen am 20.07.2007 im Tagblatt:
Abwarten mit dem Ökostrom
Kreistag entschied vorerst gegen den Bluegreen-Tarif an Kreisschulen
KREIS TÜBINGEN (hoy). Der Tübinger Kreistag konnte sich am Mittwoch nicht zu der Entscheidung durchringen, in Zukunft für die kreiseigenen Schulen Ökostrom zu beziehen.
Das Thema hatten die Grünen in ihrem Initiativantrag Mitte März angestoßen. Sie schlugen vor, dass der Kreis ein Drittel der Strom-Verbrauchsmenge aus regenerativen Quellen beziehen (Energreen Tarif) und überlegen solle, welche Liegenschaften dafür geeignet sind.
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Während Grünen-Sprecher Gerd Hickmann nach einer Sitzungspause für einen Beschluss plädierte, hielt Anton Brenner (TüLL) die Angelegenheit für „nicht entscheidungsreif“. Er brachte sogar noch eine dritte Variante mit ins Spiel, wonach der Kreis Stromeinsparungen in „Energie-Projekte“ stecken solle. Auch Klaus Tappeser (CDU) wollte „nichts übers Knie brechen“.
Brenners Vertagungs-Vorschlag bekam gegen die Stimmen der Grünen eine Mehrheit.
Anton Brenner - 2007/07/19 18:37
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