Gerhard Bialas: Abschiedsworte anlässlich meines Ausscheidens aus dem Kreistag am 26. Oktober 2005

gerhard8Herr Landrat, meine Damen und Herren,
manche von Ihnen werden überrascht sein darüber, dass ich nun aus dem Kreistag aussteige, und am 5. Dezember auch aus dem Tübinger Gemeinderat. Das tue ich ohne Groll und Hader, jedoch voller Lust und Lebensfreude darüber, dass ich künftig bei herrlichem Sonnenlachen nicht mehr termingebunden in Makulaturen von Haushaltspleiten rumblättern muss. Weil ich jetzt gehe, muss ich nach 20 Jahren schönster Augenblicke von hier oben auf Stadt und Landschaft, nicht mehr an das – für manche lieb und für viele teure – neue Landratsamt, Beton und Glas im Behördenghetto der Konrad-Adenauer-Straße gewöhnen.

Arbeit in Gremien, Honig und Äpfel sind gut gegen Alzheimer. Diese Gesundheitserfahrung gönne ich auch meinen Nachfolgern.

Dringend bitte ich und ermahne die Kreisverwaltung mit dem Kreistag: Fördern und unterstützen Sie die Selbsthilfeeinrichtungen unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger nach besten Kräften. Sie sind für eine solidarisch-soziale Gesellschaft unerlässlich.

Nur wer die Hand in offene Wunden legt, spürt wie es darin gärt und nach Heilung schreit. Deshalb freue ich mich auch darüber, dass die SPD-Fraktion die Forderung aufgegriffen hat – die auch meine und die der TÜL/PDS ist – den Sozialbericht endlich fortzuschreiben. Um Armut und Reichtum im Landkreis offen zu legen, um daraus die nötigen Handlungen vorzunehmen.

Dabei wird erneut erkennbar sein, dass eine durchgreifende Reform der Kommunalfinanzen unverzichtbar ist. Dass sich endlich die Erkenntnis Bahn bricht, dass Geld nicht für Bomben, sondern für die Bildung und für ein menschenwürdiges Leben für alle einzusetzen ist. Die Menschheit hat wahrhaftig genug mit den Naturkatastrophen zu tun, anstatt noch selbst zu zerstören. Überzeugt bin ich davon, dass auch unsere Kreisprobleme durchgängig nur in einer Welt des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit zu lösen sind.

Wir haben ja miteinander gezeigt, was wir können: Zum Beispiel beim Ausbau der Schulen, Ammertal- und Schönbuchbahn. Schöne fruchtbare Landschaften bewahren, Städte und Dörfer. Kämpfen wir weiter für Erhalt und Ausbau einer guten Infrastruktur für jung und alt, intakte Krankenversorgung und Pflegeeinrichtungen.

Danken will ich allen hier in diesem Hause und Draußen, die trotz mancher Gegensätze mir im menschlichen Miteinander freundlich und offen begegnet sind. Dank auch den Vertretern der Presse – und auch Hörfunk und Fernsehen – für spannende Berichterstattung und auch manchen fetzigen Tagesspruch.

Und ganz viel Dankeschön allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die mir nicht nur bei Wahlen unverdrossenes Vertrauen schenkten, dass ich gerne auf meinen Nachfolger Bernhard Strasdeit und meine Freunde bei den Linken übertragen möchte, denen ich viel Erfolg, Kraft und Ausdauer für's Nützliche wünsche!

Tausend Dank meiner lieben Frau Christa – die Familie eingeschlossen -, die so oft mit mir auf linken Listen kandidierte, die Freuden und Kümmernisse unerschütterlich mit getragen hat und trägt. Die mit mir Imkerei und vieles mehr macht, um gemeinsam süße Früchte des Lebens zu ernten.

Ihnen allen, meine Damen und Herren, wünsche ich alles Gute und danke herzlich für's geduldige Zuhören.

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