In Tübingen regiert Schwarzgrün seit Jahren mit der SPD-Oberbürgermeisterin Russ-Scherer an der Spitze
[Anton Brenner - 01.11.05]
Schwarzgrün steht gegen egalitär-liberal. Die Linke muss sich entscheiden.
Weshalb gibt es in Tübingen keine rotrotgrüne Koalition, obwohl Grüne, SPD und Linkspartei bei Bundestagswahlen fast 65 Prozent einfahren?
Wird es auf Bundesebene eher zu einem schwarzgrünen oder einem rotrotgrünen Projekt kommen?
Die Fragestellung ist falsch, weil die weltanschaulichen Fronten anders und durch alle Parteien verlaufen. Unser Parteiensystem ist von Gestern.
1924 beschrieb Thomas Mann im „Zauberberg“ die Gegensätze in den Personen Naphta und Settembrini.
Der elitär-fundamentalistische Naphta steht für die Parteielite (Stalinismus), die Rassenelite, die Religionsführerelite bis hin zu deren modernen Karikaturen. Eine davon, die konservative Bertelsmannstiftung prägte mit dem Basta-Kanzler Schröder, Ansätzen von grünem Tugendterror und den Gleichrichtungsinstitutionen für das Unteroffizierscorps (Bürgerstiftung Civitas, Leitbild, Zertifizierung, Beraterunwesen, Workshops und Kommissionen statt Parlamentsdiskurs) die Republik.
Der egalitär-liberale Settembrini steht für die Verbindung von Freiheit und Sozialismus und die heute verpönte und dämonisierte Widerspruchs-Streitkultur.
Dietmar Dath hat den Naphtaschen Weltverbesserwisser Martin Heidegger am 1.11.2005 in der FAZ als Chefideologen von Schwarzgrün beschrieben:
„Man kann entweder das Privilegiensystem oder die Massenproduktion aufgeben, sagt Marx. Die Aufgabe aller Privilegien aber sehen Heidegger wie Dylan als Abdankung der Kultur, Nivellierung ist ihnen dasselbe wie Nihilismus. Die Nazis behaupteten, eine Begründung für Privilegien, für Über- und Unterordnung gefunden zu haben, die dem Ansturm der Industrietechnik gewachsen sein würde: die rassische. Das war für einen wie Heidegger auf die Dauer zu dumm gedacht, zu anfechtbar, denn er sah voraus, was wir "Globalisierung" nennen und was "Bodenständigkeit" von Afrika bis zum Balkan zum blutigen Witz macht. Die Autorität des Philosophen hat freilich mit der Autorität der grünen Sozialkundelehrerin gemein, daß es beide vor der Maschine graust, die sie für eine Menschenfresserin halten, weil sie eine Privilegienfresserin ist.
Die Welt von "manufactum" und die Ideologie des ökologischen Häusle-Bauens für Kleinbesitzer entspringen am selben Punkt - dem Horror vor der Kollektivierung. Schwarzgrün ist darum die logische Option aller, die Heideggers Nachkriegs-Technikphilosophie verstanden haben und in der Frage "Industrie oder stabile Hierarchien" sich zugunsten der Hierarchien entscheiden. Denn die Nichtbesitzer werden sich nur dann daran hindern lassen, die Eliten zu enteignen und für die Masse größere Kuchenstücke zu fordern, wenn man ihnen den Verzicht auf die Früchte der Industrialisierung als etwas moralisch Hochwertiges, als eine neue Frömmigkeit verkaufen kann. Genau dafür braucht die Elite die grüne Option.“
Soweit die FAZ an Allerheiligen 2005.
Wir sollten uns also nicht wundern, wenn uns aus der grünen Ecke und der verbertelsmannten Tübinger SPD blanker Hass entgegenschlägt, wenn wir „für die Masse größere Kuchenstücke fordern“. Und auch das moralisierende Vokabular der Tübinger SPD-Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer gegen uns Elitennestbeschmutzer darf uns nicht wundern. Als Vertreterin der Zivilreligion der Eliten-Kommunitarier ist sie von einer „neuen Frömmigkeit“ beseelt.
Die Grenze zwischen einem elitären schwarzgrünen Projekt und einem libertären Programm der Gleichheit läuft durch alle Parteien und manchmal durch einzelne Personen. Die Tübinger SPD und Teile der Linken sind schwarzgrüner als sie es wahrhaben wollen. Bei den Grünen und den anachronistisch übrig gebliebenen Gruppen des ehemaligen Bürgertums (CDU, UFW-WUT, FDP) gibt es oft mehr Personen, denen soziale Gerechtigkeit und Freiheitlichkeit ebensoviel wert ist wie uns libertären Linken.
Anton Brenner
Schwarzgrün steht gegen egalitär-liberal. Die Linke muss sich entscheiden.
Weshalb gibt es in Tübingen keine rotrotgrüne Koalition, obwohl Grüne, SPD und Linkspartei bei Bundestagswahlen fast 65 Prozent einfahren?Wird es auf Bundesebene eher zu einem schwarzgrünen oder einem rotrotgrünen Projekt kommen?
Die Fragestellung ist falsch, weil die weltanschaulichen Fronten anders und durch alle Parteien verlaufen. Unser Parteiensystem ist von Gestern.
1924 beschrieb Thomas Mann im „Zauberberg“ die Gegensätze in den Personen Naphta und Settembrini.
Der elitär-fundamentalistische Naphta steht für die Parteielite (Stalinismus), die Rassenelite, die Religionsführerelite bis hin zu deren modernen Karikaturen. Eine davon, die konservative Bertelsmannstiftung prägte mit dem Basta-Kanzler Schröder, Ansätzen von grünem Tugendterror und den Gleichrichtungsinstitutionen für das Unteroffizierscorps (Bürgerstiftung Civitas, Leitbild, Zertifizierung, Beraterunwesen, Workshops und Kommissionen statt Parlamentsdiskurs) die Republik.
Der egalitär-liberale Settembrini steht für die Verbindung von Freiheit und Sozialismus und die heute verpönte und dämonisierte Widerspruchs-Streitkultur.
Dietmar Dath hat den Naphtaschen Weltverbesserwisser Martin Heidegger am 1.11.2005 in der FAZ als Chefideologen von Schwarzgrün beschrieben:
„Man kann entweder das Privilegiensystem oder die Massenproduktion aufgeben, sagt Marx. Die Aufgabe aller Privilegien aber sehen Heidegger wie Dylan als Abdankung der Kultur, Nivellierung ist ihnen dasselbe wie Nihilismus. Die Nazis behaupteten, eine Begründung für Privilegien, für Über- und Unterordnung gefunden zu haben, die dem Ansturm der Industrietechnik gewachsen sein würde: die rassische. Das war für einen wie Heidegger auf die Dauer zu dumm gedacht, zu anfechtbar, denn er sah voraus, was wir "Globalisierung" nennen und was "Bodenständigkeit" von Afrika bis zum Balkan zum blutigen Witz macht. Die Autorität des Philosophen hat freilich mit der Autorität der grünen Sozialkundelehrerin gemein, daß es beide vor der Maschine graust, die sie für eine Menschenfresserin halten, weil sie eine Privilegienfresserin ist.
Die Welt von "manufactum" und die Ideologie des ökologischen Häusle-Bauens für Kleinbesitzer entspringen am selben Punkt - dem Horror vor der Kollektivierung. Schwarzgrün ist darum die logische Option aller, die Heideggers Nachkriegs-Technikphilosophie verstanden haben und in der Frage "Industrie oder stabile Hierarchien" sich zugunsten der Hierarchien entscheiden. Denn die Nichtbesitzer werden sich nur dann daran hindern lassen, die Eliten zu enteignen und für die Masse größere Kuchenstücke zu fordern, wenn man ihnen den Verzicht auf die Früchte der Industrialisierung als etwas moralisch Hochwertiges, als eine neue Frömmigkeit verkaufen kann. Genau dafür braucht die Elite die grüne Option.“
Soweit die FAZ an Allerheiligen 2005.
Wir sollten uns also nicht wundern, wenn uns aus der grünen Ecke und der verbertelsmannten Tübinger SPD blanker Hass entgegenschlägt, wenn wir „für die Masse größere Kuchenstücke fordern“. Und auch das moralisierende Vokabular der Tübinger SPD-Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer gegen uns Elitennestbeschmutzer darf uns nicht wundern. Als Vertreterin der Zivilreligion der Eliten-Kommunitarier ist sie von einer „neuen Frömmigkeit“ beseelt.
Die Grenze zwischen einem elitären schwarzgrünen Projekt und einem libertären Programm der Gleichheit läuft durch alle Parteien und manchmal durch einzelne Personen. Die Tübinger SPD und Teile der Linken sind schwarzgrüner als sie es wahrhaben wollen. Bei den Grünen und den anachronistisch übrig gebliebenen Gruppen des ehemaligen Bürgertums (CDU, UFW-WUT, FDP) gibt es oft mehr Personen, denen soziale Gerechtigkeit und Freiheitlichkeit ebensoviel wert ist wie uns libertären Linken.
Anton Brenner
frederic - 2005/11/02 01:49
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