WASG Tübingen - Bündnis oder Spaltung?
[Wüste Welle, TÜ-Funk-Sendung vom Fr, 28.10.05
Beitrag von Reinhard Pelger von Radio Z Nürnberg]
Das größte Geschenk, das der scheidende Bundeskanzler der Linken in Deutschland machen konnte, waren die vorgezogenen Neuwahlen. Das hat die Linke stark gemacht und zur schnellen Vereinigung der neu entstandenen WASG mit der PDS zur Linkspartei geführt. Das hat den Anschein erweckt, als wachse da auch eine im Westen wählbare Alternative am linken Rand des Parteienspektrums.
Hätten die Linken mehr Zeit gehabt, hätten sie diese Zeit dazu verwendet, um sich zu streiten und dann wieder zu spalten. Diese Auffassung vertritt der Tübinger Gemeinderat Anton Brenner von der TÜL/PDS mit Blick auf die Tübinger WASG. Die lokale Gruppe der WASG in Tübingen um deren Frontmann Rüdiger Nierlein gilt als PDS-feindlich. Sie setzt mehr auf ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Gewerkschaftern, Leuten aus sozialen Bewegungen und Unorganisierten, die die Basis der WASG bilden und diese wählen sollen. Ein solches Bündnis scheint allerdings mehr in der Phantasie der WASGler zu existieren asl real vorhanden zu sein. Zumindest in Tübingen ist davon nichts zu sehen. Wo sind die Gewerkschafter und Beschäftigten, die sich für die WASG engagieren. Wer sollen die sozialen Bewegungen sein, die sich mit der WASG solidarisieren? Wo sind die politisch Unorganisierten, für die die WASG eine wählbare neue Kraft ist?
Zumindest die Tübinger WASG scheint bisher eher eine sektiererische Clique zu sein, die in der Realität keine aktiven Bündnisse organisiert hat. Eine Ein-Thema-Partei, entstanden aus den Hartz-IV-Protesten mit ihren endlosen Montagsdemos. Eine Fusion mit der PDS für die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist jedenfalls gescheitert. Die WASG wird alleine zur Wahl antreten. In Tübingen wurde diese Spaltung noch beschleunigt, indem sich die WASG mit ihrer Kandidatenkür beeilt hat, trotz diverser Bitten von Seiten der PDS, bis nach deren Parteitag mit der Kandidatenwahl zu warten. Auch für nicht parteigebundene potentielle Kandidaten ging das zu schnell. Mit diesem Schachzug hat zumindest der Kandidat Rüdiger Nierlein seine Schäfchen ins Trockene gebracht. Er wurde bei der Wahlversammlung mit großer Mehrheit zum Kandidaten gekürt. Faktisch gewählt wurde er von 19 Personen, was wiederum etwas über die Breite der Basis der WASG aussagt.
Rüdiger Nierlein glaubt, dass die WASG bei der Landtagswahl ein ähnlich gutes Ergebnis wie die Linkspartei bei der BT-Wahl erzielen könne. Quod erat demonstrandum, sagt da der Lateiner. Man darf gespannt sein, ob Politikstil und inhaltliches Profil der WASG einen modernen Zuschnitt erhalten oder ob die Partei wie ihre Tübinger Vorleute irgendwie im Gestern zurück bleiben.
Beitrag von Reinhard Pelger von Radio Z Nürnberg]
Das größte Geschenk, das der scheidende Bundeskanzler der Linken in Deutschland machen konnte, waren die vorgezogenen Neuwahlen. Das hat die Linke stark gemacht und zur schnellen Vereinigung der neu entstandenen WASG mit der PDS zur Linkspartei geführt. Das hat den Anschein erweckt, als wachse da auch eine im Westen wählbare Alternative am linken Rand des Parteienspektrums.
Hätten die Linken mehr Zeit gehabt, hätten sie diese Zeit dazu verwendet, um sich zu streiten und dann wieder zu spalten. Diese Auffassung vertritt der Tübinger Gemeinderat Anton Brenner von der TÜL/PDS mit Blick auf die Tübinger WASG. Die lokale Gruppe der WASG in Tübingen um deren Frontmann Rüdiger Nierlein gilt als PDS-feindlich. Sie setzt mehr auf ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Gewerkschaftern, Leuten aus sozialen Bewegungen und Unorganisierten, die die Basis der WASG bilden und diese wählen sollen. Ein solches Bündnis scheint allerdings mehr in der Phantasie der WASGler zu existieren asl real vorhanden zu sein. Zumindest in Tübingen ist davon nichts zu sehen. Wo sind die Gewerkschafter und Beschäftigten, die sich für die WASG engagieren. Wer sollen die sozialen Bewegungen sein, die sich mit der WASG solidarisieren? Wo sind die politisch Unorganisierten, für die die WASG eine wählbare neue Kraft ist?
Zumindest die Tübinger WASG scheint bisher eher eine sektiererische Clique zu sein, die in der Realität keine aktiven Bündnisse organisiert hat. Eine Ein-Thema-Partei, entstanden aus den Hartz-IV-Protesten mit ihren endlosen Montagsdemos. Eine Fusion mit der PDS für die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist jedenfalls gescheitert. Die WASG wird alleine zur Wahl antreten. In Tübingen wurde diese Spaltung noch beschleunigt, indem sich die WASG mit ihrer Kandidatenkür beeilt hat, trotz diverser Bitten von Seiten der PDS, bis nach deren Parteitag mit der Kandidatenwahl zu warten. Auch für nicht parteigebundene potentielle Kandidaten ging das zu schnell. Mit diesem Schachzug hat zumindest der Kandidat Rüdiger Nierlein seine Schäfchen ins Trockene gebracht. Er wurde bei der Wahlversammlung mit großer Mehrheit zum Kandidaten gekürt. Faktisch gewählt wurde er von 19 Personen, was wiederum etwas über die Breite der Basis der WASG aussagt.
Rüdiger Nierlein glaubt, dass die WASG bei der Landtagswahl ein ähnlich gutes Ergebnis wie die Linkspartei bei der BT-Wahl erzielen könne. Quod erat demonstrandum, sagt da der Lateiner. Man darf gespannt sein, ob Politikstil und inhaltliches Profil der WASG einen modernen Zuschnitt erhalten oder ob die Partei wie ihre Tübinger Vorleute irgendwie im Gestern zurück bleiben.
frederic - 2005/11/02 17:00
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