Doris Palmer oder der Bischof-Schreck Andreas Renner beerben Brigitte Russ-Scherer

Diskussionsbeitrag - 29.03.05 - Anton Brenner

Die Chancen der Titelverteidigerin Brigitte Russ-Scherer für die Wiederwahl als Tübinger Oberbürgermeisterin schwinden. Allenfalls in der Linkspartei denken manche an ihre Nominierung, da Opposition ohne sie als Watschefrau schwerer werden wird. Gerade mal 22 Prozent erreichte die SPD bei der jetzigen Landtagswahl in der Universitätsstadt. Rita Haller-Haid (SPD-MdL) hatte nicht nur an der Last der Großen Koalition zu tragen. Das verheerende Image der Tübinger Rathaus-SPD kostete ihr weitere Prozentpunkte.

Wenn alle kommunalen Links-Wähler die Nierlein-WASG gewählt hätten, wäre die SPD an das Kommunalwahlniveau von 16 Prozent herangekommen. Im Tübinger Wochenblatt wurde die Kombination Andreas Renner (CDU-Oberbürgermeister) und Uta Schwarz-Österreicher (SPD-Erste Bürgermeisterin) als interessanter angesehen als das bisherige Duo Brigitte Russ-Scherer (SPD-Oberbürgermeisterin) und Eugen Höschele (CDU-Erster Bürgermeister). Nun nennt das Schwäbische Tagblatt weitere Kombinationen: Als grüne OB-Kandidaten: Oswald Metzger oder Boris Palmer, lieber ohne als mit der schwarzen Beimischung Eugen Höschele. Oder als Erster Bürgermeister die SPD-Altlast Michael Lucke, in Kombination mit dem Bischof-Schreck Andreas Renner als Oberbürgermeister. Als Frau, als Doris Palmer hätte Boris Palmer natürlich noch bessere Chancen, was bei der exzellenten chirurgischen Abteilung der Tübinger Eliteuniversität keine unüberwindliche Hürde darstellen dürfte.
Hier die neuesten Spekulationen von

Eckhard Ströbel im Schwäbischen Tagblatt 29.03.2006:

"Tübinger OB-Wahl: Namen, Gerüchte

So ist das nach der Wahl: Kaum ausgezählt, geht der Blick schon zur nächsten. In diesem Fall zur Tübinger Oberbürgermeister-Wahl im Herbst. Der Termin ist noch nicht festgelegt, aber erste Namen werden bereits genannt.

Zum Beispiel Oswald Metzger, Kommunalpolitiker, ehemaliger Bundestags-, jetzt Landtagsabgeordneter. Der 51-jährige Oberschwabe kommt stets ins Spiel, wenn Grüne mit Bodenhaftung gefragt sind. Immerhin reist der Politikberater für die Bertelsmann Stiftung, das Liberale Netzwerk und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Solche Wendigkeit wird dem Oberrealo als Neoliberalismus ausgelegt – weshalb er selbst bei Tübingens gemäßigten Grünen nicht arg gelitten wäre. Was Metzger noch mit Tübingen verbindet: Er studierte hier und war schon bei der letzten OB-Wahl 1996 im Gespräch.

Beides gilt auch für Fritz Kuhn. Doch spätestens seitdem er in Berlin seine Wunsch-Position inne- und in Heidelberg die Kandidatur um die Nachfolge von OB Beate Weber ausgeschlagen hat, kann man Kuhn von der Liste der Verdächtigen streichen.

Auf der steht immer, seit seinem Wahlerfolg vom Sonntag sogar ganz oben: Boris Palmer, 33. Gegen den Stuttgarter OB Wolfgang Schuster durfte das grüne Tübinger Eigengewächs noch verlieren. Zuhause müsste er jetzt gewinnen. Sonst wäre er beschädigt. Palmer weiß das, und es macht ihm die Entscheidung nicht leichter. Klar ist, dass die Grünalternativen – im Gemeinderat stärkste Fraktion und nun auch bei der Landtagswahl Nummer Eins – bei der OB-Wahl nicht ohne Bewerber/in dastehen können.

Ebenso sicher muss die CDU versuchen, die Abwahl Eugen Höscheles als Wirtschaftsbürgermeister einmal unterstellt, im Herbst ein Wort mitzureden. CDU-Altstadtrat und Kandidaten-Finder Dieter Pantel ist Realist genug, dabei auf ein „breites Bündnis“ zu setzen.

Ist Andreas Renner, 46, der unehrenhaft entlassene CDU-Sozialminister, ein Konsens-Kandidat? Wird seine despektierliche Äußerung gegen den Rottenburger Bischof für ihn in der Unistadt zum Bonus? Renner brächte ein modernes Image sowie OB-Erfahrung aus Singen mit – und könnte hier wieder seinen früheren Kämmerer Michael Lucke (SPD) treffen, sofern der sich von seinem jetzigen Metzinger auf den Tübinger Beigeordneten-Posten lotsen lässt. Ach, die Beigeordneten-Wahl, die steht ja auch noch an. Solange dieses unerfreuliche Kapitel nicht überstanden ist, gehen die Herausforderer von Titelverteidigerin Brigitte Russ-Scherer nicht aus der Deckung."

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