Michael Lucke läutet das Ende der Ära Russ-Scherer ein
Bericht - 11.04.06 - Anton Brenner
Mit der Wahl des SPD-Politikers Michael Lucke zum Ersten Bürgermeister von Tübingen scheint das Schicksal der umstrittenen SPD-Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer besiegelt zu sein. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, schaut sich die CDU nach einem eigenen Kandidaten für Tübingen um. Zuvor hatte der unterlegene CDU-Kandidat für das Amt des Ersten Bürgermeisters, Eugen Höschele, in einer Vorstellung bei den Fraktionen von SPD und Tübinger Linke erklärt, er werde sich im Herbst für die Wiederwahl von Brigitte Russ-Scherer stark machen, wenn er gewählt werde.
Höschele hatte bei dieser Vorstellung auch erklärt, er stehe voll hinter der geplanten Grundsteuererhöhung, die von der SPD, der Oberbürgermeisterin Russ-Scherer, der AL-Grünen und der FDP gegen die Stimmen der CDU, der UFW-WUT und der LINKEN beschlossen worden war. Michael Lucke jedoch übte Kritik an der Grundsteuererhöhung, da sich die Stadt damit Handlungsmöglichkeiten verbaue.
Außer der CDU suchen auch die AL/Grünen nach einem Oberbürgermeisterkandidaten.
Die SPD-Fraktion steht noch hinter ihr. Doch im SPD-Ortsverein stehen den meisten die Haare zu Berge, wenn sie den Namen Russ-Scherer auch nur hören. Das schäbige Abservieren des Ersten Bürgermeisters Gerd Weimer hat den letzten naiven SPD-Genossen die Augen geöffnet. Der Hauptgeschädigte der Bürgermeister-Rochade ist Gerd Weimer.
Mit einem Ersten Bürgermeister Lucke ist die SPD jetzt gut bedient, bei ihren 16 Prozent bei Kommunalwahlen und 22 Prozent bei der Landtagswahl. Er ist ein guter Mann und tritt jetzt schon besser auf als die Oberbürgermeisterin. Außerdem ist die SPD auch sonst in der Verwaltung fett vertreten, zum Beispiel mit dem Planungs-Chef, dem Wirtschaftsförderungs-Direktor, der Sozialamtsleiterin ... Da widerspräche eine weitere Amtszeit der SPD-Oberbürgermeisterin jedem Gerechtigkeitsempfinden. Selbst das Schwäbische Tagblatt schreibt: "Die unverhältnismäßig starke Vertretung der SPD an der Rathausspitze und in der einen oder anderen Fachbereichs- und Amtsleitung wird im bevorstehenden OB-Wahlkampf mit Sicherheit gegen sie gewendet werden."
Profitiert von den Defiziten Russ-Scherers an emotionaler und sozialer Intelligenz haben bisher die Fraktionen von FDP und der LINKEN. FDP-Stadtrat Schöning konnte generös den ideellen Gesamtfraktionsvorsitzenden der Oberbürgermeisterkoalition spielen und seine Meisterin über manche Klippen und ausgewachsenen Fettnäpfe hinwegretten.
Auch die LINKE profitiert von ihrer Oppositionsrolle gegen die Oberbürgermeisterin, die mit allen Zoff anfängt. Sie müsste sich schwer umstellen, wenn Tübingen einen Oberbürgermeister bekäme, der bei Trost ist und zuhören kann.
Doch LINKE wie FDP werden sich wohl bei der Wahl zwischen Gemeinwohlverpflichtung und taktischen Späßen mit Russ-Scherer für ersteres entscheiden.
Die Oberbürgermeisterwahl verspricht unterhaltend zu werden. Fast alle sagen: Schlimmer kann es nicht kommen. Fragt sich nur, wer kommt?
Hier der Bericht der Stuttgarter Zeitung vom 11.04.2006:
"Michael Lucke in Tübingen gewählt
TÜBINGEN (mip). Finanz- und Sozialbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen wird Michael Lucke (50). Der amtierende Erste Bürgermeister von Metzingen erhielt gestern Abend im ersten Wahlgang 32 Stimmen der 48 Gemeinderäte. Auf Eugen Höschele (53), den bisherigen Wirtschafts- und Finanzbürgermeister, entfielen in geheimer Wahl 15 Stimmen. Von Beobachtern war ein Ergebnis in dieser Größenordnung erwartet worden. Zuvor hatten sich CDU und Teile der Freien Wähler für den CDU-Kreisrat Höschele ausgesprochen. Die Grün-Alternativen, die SPD-Fraktion, die FDP sowie die TÜLL/PDS hatten Lucke ihre Unterstützung zugesagt.
Das SPD-Mitglied war bereits zwischen 1976 und 1998 in Tübingens Stadtverwaltung tätig, zuletzt als Kämmerer. Nach der Wahlniederlage gegen Höschele vor acht Jahren wechselte Lucke nach Singen, seit 2001 ist er Erster Bürgermeister in Metzingen. Nach Höscheles Niederlage um das neu zugeschnittene Amt des Finanz- und Sozialbürgermeisters ist in der Spitze der Tübinger Stadtverwaltung kein Vertreter der bürgerlichen Parteien mehr zu finden. Baubürgermeisterin Ulla Schreiber gilt als Vertreterin der Grün-Alternativen. Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer gehört der SPD an. Die Stelle des Wirtschaftsbürgermeisters wurde gestrichen. CDU-Gemeinderat Ulrich Latus kündigte an, dass die bürgerlichen Vertreter nach einem geeigneten Kandidaten für die OB-Wahl Ende des Jahres Ausschau hielten."
Mit der Wahl des SPD-Politikers Michael Lucke zum Ersten Bürgermeister von Tübingen scheint das Schicksal der umstrittenen SPD-Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer besiegelt zu sein. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, schaut sich die CDU nach einem eigenen Kandidaten für Tübingen um. Zuvor hatte der unterlegene CDU-Kandidat für das Amt des Ersten Bürgermeisters, Eugen Höschele, in einer Vorstellung bei den Fraktionen von SPD und Tübinger Linke erklärt, er werde sich im Herbst für die Wiederwahl von Brigitte Russ-Scherer stark machen, wenn er gewählt werde.
Höschele hatte bei dieser Vorstellung auch erklärt, er stehe voll hinter der geplanten Grundsteuererhöhung, die von der SPD, der Oberbürgermeisterin Russ-Scherer, der AL-Grünen und der FDP gegen die Stimmen der CDU, der UFW-WUT und der LINKEN beschlossen worden war. Michael Lucke jedoch übte Kritik an der Grundsteuererhöhung, da sich die Stadt damit Handlungsmöglichkeiten verbaue.
Außer der CDU suchen auch die AL/Grünen nach einem Oberbürgermeisterkandidaten.
Die SPD-Fraktion steht noch hinter ihr. Doch im SPD-Ortsverein stehen den meisten die Haare zu Berge, wenn sie den Namen Russ-Scherer auch nur hören. Das schäbige Abservieren des Ersten Bürgermeisters Gerd Weimer hat den letzten naiven SPD-Genossen die Augen geöffnet. Der Hauptgeschädigte der Bürgermeister-Rochade ist Gerd Weimer.
Mit einem Ersten Bürgermeister Lucke ist die SPD jetzt gut bedient, bei ihren 16 Prozent bei Kommunalwahlen und 22 Prozent bei der Landtagswahl. Er ist ein guter Mann und tritt jetzt schon besser auf als die Oberbürgermeisterin. Außerdem ist die SPD auch sonst in der Verwaltung fett vertreten, zum Beispiel mit dem Planungs-Chef, dem Wirtschaftsförderungs-Direktor, der Sozialamtsleiterin ... Da widerspräche eine weitere Amtszeit der SPD-Oberbürgermeisterin jedem Gerechtigkeitsempfinden. Selbst das Schwäbische Tagblatt schreibt: "Die unverhältnismäßig starke Vertretung der SPD an der Rathausspitze und in der einen oder anderen Fachbereichs- und Amtsleitung wird im bevorstehenden OB-Wahlkampf mit Sicherheit gegen sie gewendet werden."
Profitiert von den Defiziten Russ-Scherers an emotionaler und sozialer Intelligenz haben bisher die Fraktionen von FDP und der LINKEN. FDP-Stadtrat Schöning konnte generös den ideellen Gesamtfraktionsvorsitzenden der Oberbürgermeisterkoalition spielen und seine Meisterin über manche Klippen und ausgewachsenen Fettnäpfe hinwegretten.
Auch die LINKE profitiert von ihrer Oppositionsrolle gegen die Oberbürgermeisterin, die mit allen Zoff anfängt. Sie müsste sich schwer umstellen, wenn Tübingen einen Oberbürgermeister bekäme, der bei Trost ist und zuhören kann.
Doch LINKE wie FDP werden sich wohl bei der Wahl zwischen Gemeinwohlverpflichtung und taktischen Späßen mit Russ-Scherer für ersteres entscheiden.
Die Oberbürgermeisterwahl verspricht unterhaltend zu werden. Fast alle sagen: Schlimmer kann es nicht kommen. Fragt sich nur, wer kommt?
Hier der Bericht der Stuttgarter Zeitung vom 11.04.2006:
"Michael Lucke in Tübingen gewählt
TÜBINGEN (mip). Finanz- und Sozialbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen wird Michael Lucke (50). Der amtierende Erste Bürgermeister von Metzingen erhielt gestern Abend im ersten Wahlgang 32 Stimmen der 48 Gemeinderäte. Auf Eugen Höschele (53), den bisherigen Wirtschafts- und Finanzbürgermeister, entfielen in geheimer Wahl 15 Stimmen. Von Beobachtern war ein Ergebnis in dieser Größenordnung erwartet worden. Zuvor hatten sich CDU und Teile der Freien Wähler für den CDU-Kreisrat Höschele ausgesprochen. Die Grün-Alternativen, die SPD-Fraktion, die FDP sowie die TÜLL/PDS hatten Lucke ihre Unterstützung zugesagt.
Das SPD-Mitglied war bereits zwischen 1976 und 1998 in Tübingens Stadtverwaltung tätig, zuletzt als Kämmerer. Nach der Wahlniederlage gegen Höschele vor acht Jahren wechselte Lucke nach Singen, seit 2001 ist er Erster Bürgermeister in Metzingen. Nach Höscheles Niederlage um das neu zugeschnittene Amt des Finanz- und Sozialbürgermeisters ist in der Spitze der Tübinger Stadtverwaltung kein Vertreter der bürgerlichen Parteien mehr zu finden. Baubürgermeisterin Ulla Schreiber gilt als Vertreterin der Grün-Alternativen. Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer gehört der SPD an. Die Stelle des Wirtschaftsbürgermeisters wurde gestrichen. CDU-Gemeinderat Ulrich Latus kündigte an, dass die bürgerlichen Vertreter nach einem geeigneten Kandidaten für die OB-Wahl Ende des Jahres Ausschau hielten."
frederic - 2006/04/12 14:37
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