Brigitte Russ-Scherer erhielt die Höchststrafe: 70 Prozent wählten sie ab. Pressestimmen
Michael Petersen, Stuttgarter Zeitung, 18.10.2006:
Im Kreis von Unterstützern zeigt Brigitte Russ-Scherer dagegen eine andere Seite, charmant, witzig und auf nette Weise den Körperkontakt suchend, vermag sie zu gewinnen. Und viele Honoratioren in der Stadt setzen auf sie.

Brigitte Russ-Scherer
Michael Petersen, Stuttgarter Zeitung, 23.10.2006:
Der mitunter recht temperamentvolle Mathematiker wird nun zeigen müssen, dass er seine mangelnde Verwaltungserfahrung mit Delegieren und Zuhören ausgleichen kann.
Brigitte Russ-Scherer könne weder das eine noch das andere. So sagen es Rathausmitarbeiter immer wieder. Und viele Menschen in der Stadt kritisieren, dass sie ihre Entscheidungsfindungen nicht transparent darstellt und selbst den Gemeinderat mitunter nicht vollständig informiert oder zu spät einbezieht.
Vom politischen Instinkt völlig verlassen präsentierte sie der Öffentlichkeit nur wenige Tage vor der Wahl die ihr seit Monaten bekannten Pläne eines Pharmakonzerns, der in Tübingen Impfstoffe für Tiere entwickeln möchte und dafür zwei große Ställe bauen will. Dass Tierversuche dazu gehören, wird gar nicht abgestritten. Wie die Citymaut hätte auch dieses emotionale Thema vielleicht an Brisanz verloren, aber nicht kurz vor dem Wahltermin. Das Thema hat Brigitte Russ-Scherer dramatisch geschadet. Ob die Debatte angesichts Palmers Vorsprung wahlentscheidend war, darf bezweifelt werden. Offensichtlich wollten viele Tübinger Russ-Scherer tatsächlich nicht mehr im Rathaus sehen.
Michael Petersen, Stuttgarter Zeitung, 24.10.2006:
Nur 30,2 Prozent der Stimmen nach acht Jahren Arbeit, niemandem fällt ein Beispiel für eine ähnlich deftige Niederlage ein.
Selbst enge Freunde sind nicht glücklich über das Verhalten der Oberbürgermeisterin. "Sie war im Wahlkampf nicht kritikfähig", wird gesagt. Auf Details ihrer Bilanz sei sie herumgeritten.
Manche Reaktion der Verliererin kommt auch am Montag gar nicht gut an in Tübingen. Aus ihren Worten ist ihre Haltung zum Gemeinderat herauszuhören. "Ich blicke mit Stolz auf meine Bilanz zurück und, wenn ich an die vielen Montage im Gemeinderat denke, mit Erleichterung in die Zukunft", wird Brigitte Russ-Scherer in der Lokalzeitung zitiert. Und noch im Rathaus hatte sie erklärt, wenn sie vor acht Jahren alles gewusst hätte, was sie heute weiß, "wäre ich nicht aus der Wirtschaft raus und in die Politik gegangen". Da ist doch sehr viel Bitterkeit einer Frau zu spüren, die von sich selbst überzeugt ist, so gut wie alles richtig zu machen. Und die von vielen anderen glaubte, dass die es nicht richtig machen können.
Der Reutlinger Generalanzeiger am 23.10.2006:
Angekreidet wurde ihr jetzt auch, dass sie manches schwache Ergebnis als Erfolg verkaufte. Statt der erhofften 3 000 hochqualifizierten Arbeitsplätze im Technologiepark ein Schweine- und Kuhstall für eine Pharma-Firma? Das ist zu wenig, haben sich viele Tübinger gesagt und am Wahltag für eine faustdicke Überraschung gesorgt.
Südwestpresse am 23.10.2006
Doch zielsicher nutzte Palmer eine Anti-Stimmung gegen die Amtsinhaberin für sich aus. Diese hat im Rathaus zu viel an sich gezogen und zu wenig auf ihre Mitarbeiter gesetzt. Außerdem hat sich Russ-Scherer völlig verschätzt, was die Pläne der Firma Boehringer Ingelheim angeht. Sie dachte, die geplante Ansiedlung eines Impfstoff-Forschungszentrums für Tiere könnte den bisherigen Misserfolg des kommunalen Technologieparks überstrahlen. Arbeitsplätze in der Forschung sind in Tübingen zwar willkommen, doch wenn sie mit Tierversuchen zu tun haben, gibt es starke Vorbehalte. Statt zu punkten, geriet Russ-Scherer mit dem Thema Boehringer auf die Verliererstraße.
Frankfurter Rundschau, 24.10.2006
SPD-Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer, die am Sonntag magere 30,2 Prozent erzielte, regierte Tübingen nach dem Prinzip Chefsache. "Defizite an emotionaler und sozialer Intelligenz", diagnostizierte die Linke. Sie selbst sah sich als "durchsetzungsstarke Frau". Den Wählern war sie vielleicht ein wenig zu energisch. Zuletzt versuchte die Sozialdemokratin, mit dem Pharmariesen Boehringer-Ingelheim eine Schweineversuchsanstalt mitten in einem Wohngebiet durchzusetzen. "Nach der Sache mit dem Saustall hat sie keine Chance mehr", tönte Boris Palmer noch am Samstag. Nach deren Niederlage gefiel er sich in der Pose des generösen Gewinners: "30 Prozent: Das hat Frau Russ-Scherer nicht verdient."
Die Welt, 24.10.2006
Mit beeindruckenden 50,4 Prozent im ersten Wahlgang hat in Tübingen der Grüne Boris Palmer die amtierende sozialdemokratische Oberbürgermeisterin aus dem Amt gefegt. Obwohl die CDU keinen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt hatte und die Wahl eine Protestwahl gegen die umstrittene Amtsinhaberin war:
Taz, 24.10.2006
Palmer holte 50,4 Prozent der Stimmen, Titelverteidigerin Brigitte Russ-Scherer (SPD) bekam 30,2 Prozent. Die CDU hatte keinen eigenen Kandidaten nominiert. Dass es sich auch um eine Abwahl von Russ-Scherer gehandelt hat, kann man im Schwäbischen Tagblatt nachlesen. Als sie im Wahlkampf damit argumentierte, dass der junge Palmer gar keine Erfahrung mit der Verwaltung habe, antwortete Palmer, dafür habe die Verwaltung ja genug Erfahrung mit ihr.
Schwarzwälder Bote 24.10.2006
Zuerst will sich der erste Grünen-Oberbürgermeister der traditionellen Linken-Hochburg Tübingen um die geplante und heftig umstrittene Ansiedlung des Pharma-Konzerns Boehringer Ingelheim im Technologiepark der Stadt angehen. «Dieses Thema brennt», sagt er kurz nach seinem Wahlsieg am Sonntagabend. Das Unternehmen will eine Forschungseinrichtung für Impfstoffe einrichten und dazu auch Tierställe für Versuche bauen. Das hatte gut eine Woche vor der Wahl für Aufregung in der Universitätsstadt gesorgt. Der Gemeinderat nahm das Thema deshalb von der Tagesordnung und verschob die Diskussion auf einen späteren Zeitpunkt. Palmer macht aber auch deutlich: «Ich selbst bin noch nicht entschieden.»
Sepp Wais im Schwäbischen Tagblatt vom 24.10.2006
So aufregend der Wahlabend im Tübinger Rathaus war, so strapaziös war danach die Nacht für Sieger und Verlierer. Während die einen bis in die Puppen feierten, werden sich die anderen grübelnd in ihren Betten gewälzt haben – geplagt von der Frage, wie ein solches Schlamassel passieren konnte. Das Ergebnis vom Sonntag war mehr als eine Ohrfeige für Brigitte Russ-Scherer, es war die Höchststrafe, die man einem Stadtoberhaupt verpassen kann.
Im Kreis von Unterstützern zeigt Brigitte Russ-Scherer dagegen eine andere Seite, charmant, witzig und auf nette Weise den Körperkontakt suchend, vermag sie zu gewinnen. Und viele Honoratioren in der Stadt setzen auf sie.

Brigitte Russ-Scherer
Michael Petersen, Stuttgarter Zeitung, 23.10.2006:
Der mitunter recht temperamentvolle Mathematiker wird nun zeigen müssen, dass er seine mangelnde Verwaltungserfahrung mit Delegieren und Zuhören ausgleichen kann.
Brigitte Russ-Scherer könne weder das eine noch das andere. So sagen es Rathausmitarbeiter immer wieder. Und viele Menschen in der Stadt kritisieren, dass sie ihre Entscheidungsfindungen nicht transparent darstellt und selbst den Gemeinderat mitunter nicht vollständig informiert oder zu spät einbezieht.
Vom politischen Instinkt völlig verlassen präsentierte sie der Öffentlichkeit nur wenige Tage vor der Wahl die ihr seit Monaten bekannten Pläne eines Pharmakonzerns, der in Tübingen Impfstoffe für Tiere entwickeln möchte und dafür zwei große Ställe bauen will. Dass Tierversuche dazu gehören, wird gar nicht abgestritten. Wie die Citymaut hätte auch dieses emotionale Thema vielleicht an Brisanz verloren, aber nicht kurz vor dem Wahltermin. Das Thema hat Brigitte Russ-Scherer dramatisch geschadet. Ob die Debatte angesichts Palmers Vorsprung wahlentscheidend war, darf bezweifelt werden. Offensichtlich wollten viele Tübinger Russ-Scherer tatsächlich nicht mehr im Rathaus sehen.
Michael Petersen, Stuttgarter Zeitung, 24.10.2006:
Nur 30,2 Prozent der Stimmen nach acht Jahren Arbeit, niemandem fällt ein Beispiel für eine ähnlich deftige Niederlage ein.
Selbst enge Freunde sind nicht glücklich über das Verhalten der Oberbürgermeisterin. "Sie war im Wahlkampf nicht kritikfähig", wird gesagt. Auf Details ihrer Bilanz sei sie herumgeritten.
Manche Reaktion der Verliererin kommt auch am Montag gar nicht gut an in Tübingen. Aus ihren Worten ist ihre Haltung zum Gemeinderat herauszuhören. "Ich blicke mit Stolz auf meine Bilanz zurück und, wenn ich an die vielen Montage im Gemeinderat denke, mit Erleichterung in die Zukunft", wird Brigitte Russ-Scherer in der Lokalzeitung zitiert. Und noch im Rathaus hatte sie erklärt, wenn sie vor acht Jahren alles gewusst hätte, was sie heute weiß, "wäre ich nicht aus der Wirtschaft raus und in die Politik gegangen". Da ist doch sehr viel Bitterkeit einer Frau zu spüren, die von sich selbst überzeugt ist, so gut wie alles richtig zu machen. Und die von vielen anderen glaubte, dass die es nicht richtig machen können.
Der Reutlinger Generalanzeiger am 23.10.2006:
Angekreidet wurde ihr jetzt auch, dass sie manches schwache Ergebnis als Erfolg verkaufte. Statt der erhofften 3 000 hochqualifizierten Arbeitsplätze im Technologiepark ein Schweine- und Kuhstall für eine Pharma-Firma? Das ist zu wenig, haben sich viele Tübinger gesagt und am Wahltag für eine faustdicke Überraschung gesorgt.
Südwestpresse am 23.10.2006
Doch zielsicher nutzte Palmer eine Anti-Stimmung gegen die Amtsinhaberin für sich aus. Diese hat im Rathaus zu viel an sich gezogen und zu wenig auf ihre Mitarbeiter gesetzt. Außerdem hat sich Russ-Scherer völlig verschätzt, was die Pläne der Firma Boehringer Ingelheim angeht. Sie dachte, die geplante Ansiedlung eines Impfstoff-Forschungszentrums für Tiere könnte den bisherigen Misserfolg des kommunalen Technologieparks überstrahlen. Arbeitsplätze in der Forschung sind in Tübingen zwar willkommen, doch wenn sie mit Tierversuchen zu tun haben, gibt es starke Vorbehalte. Statt zu punkten, geriet Russ-Scherer mit dem Thema Boehringer auf die Verliererstraße.
Frankfurter Rundschau, 24.10.2006
SPD-Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer, die am Sonntag magere 30,2 Prozent erzielte, regierte Tübingen nach dem Prinzip Chefsache. "Defizite an emotionaler und sozialer Intelligenz", diagnostizierte die Linke. Sie selbst sah sich als "durchsetzungsstarke Frau". Den Wählern war sie vielleicht ein wenig zu energisch. Zuletzt versuchte die Sozialdemokratin, mit dem Pharmariesen Boehringer-Ingelheim eine Schweineversuchsanstalt mitten in einem Wohngebiet durchzusetzen. "Nach der Sache mit dem Saustall hat sie keine Chance mehr", tönte Boris Palmer noch am Samstag. Nach deren Niederlage gefiel er sich in der Pose des generösen Gewinners: "30 Prozent: Das hat Frau Russ-Scherer nicht verdient."
Die Welt, 24.10.2006
Mit beeindruckenden 50,4 Prozent im ersten Wahlgang hat in Tübingen der Grüne Boris Palmer die amtierende sozialdemokratische Oberbürgermeisterin aus dem Amt gefegt. Obwohl die CDU keinen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt hatte und die Wahl eine Protestwahl gegen die umstrittene Amtsinhaberin war:
Taz, 24.10.2006
Palmer holte 50,4 Prozent der Stimmen, Titelverteidigerin Brigitte Russ-Scherer (SPD) bekam 30,2 Prozent. Die CDU hatte keinen eigenen Kandidaten nominiert. Dass es sich auch um eine Abwahl von Russ-Scherer gehandelt hat, kann man im Schwäbischen Tagblatt nachlesen. Als sie im Wahlkampf damit argumentierte, dass der junge Palmer gar keine Erfahrung mit der Verwaltung habe, antwortete Palmer, dafür habe die Verwaltung ja genug Erfahrung mit ihr.
Schwarzwälder Bote 24.10.2006
Zuerst will sich der erste Grünen-Oberbürgermeister der traditionellen Linken-Hochburg Tübingen um die geplante und heftig umstrittene Ansiedlung des Pharma-Konzerns Boehringer Ingelheim im Technologiepark der Stadt angehen. «Dieses Thema brennt», sagt er kurz nach seinem Wahlsieg am Sonntagabend. Das Unternehmen will eine Forschungseinrichtung für Impfstoffe einrichten und dazu auch Tierställe für Versuche bauen. Das hatte gut eine Woche vor der Wahl für Aufregung in der Universitätsstadt gesorgt. Der Gemeinderat nahm das Thema deshalb von der Tagesordnung und verschob die Diskussion auf einen späteren Zeitpunkt. Palmer macht aber auch deutlich: «Ich selbst bin noch nicht entschieden.»
Sepp Wais im Schwäbischen Tagblatt vom 24.10.2006
So aufregend der Wahlabend im Tübinger Rathaus war, so strapaziös war danach die Nacht für Sieger und Verlierer. Während die einen bis in die Puppen feierten, werden sich die anderen grübelnd in ihren Betten gewälzt haben – geplagt von der Frage, wie ein solches Schlamassel passieren konnte. Das Ergebnis vom Sonntag war mehr als eine Ohrfeige für Brigitte Russ-Scherer, es war die Höchststrafe, die man einem Stadtoberhaupt verpassen kann.
Anton Brenner - 2006/10/29 09:23
www.solid-sds.de

Trackback URL:
http://tuelpds.twoday.net/stories/2864561/modTrackback