Kreisrat und Linkspartei-Landessprecher Bernhard Strasdeit stellt sich hinter Palmer

Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt, 18.11.2006:

Wie die sich seit Wochen selbstbemitleidende SPD kann sich Frau Pfeil noch immer nicht mit dem OB-Wahlergebnis abfinden. Ihr "Übrigens" strotzt vor weinerlicher Bitternis. Also: 1. Schon immer war die "Feuerwehrkneipe" ein Ort der zotigen Witzeleien und 2. ist der Witz über Figgen und SPD-Wählen auch unter Sozis asbachuralt und 3. gibt es in der Tübinger Feuerwehr auch weibliche Aktivistinnen und 4. sollte das finanzielle Kurzhalten der Feuerwehr unter Frau Russ-Scherer nicht als feministische Errungenschaft gefeiert werden. 5. sollte man der Feuerwehr kommunalpolitische Willensbildung nicht absprechen und 6. hätte es der bisherigen Amtsinhaberin besser angestanden, sie hätte nicht meist Gert Weimer zur Feuerwehrkneipe geschickt, sondern sich auch selbst um die Arbeit und die sozialen belange der Vereine gekümmert. Geschmacklosigkeit hin - Palmer her: Der SPD, die inzwischen selbst von der CDU sozial überholt wird, werden auch die Lachverbote eines Politik-Professors Rittberger nichts nützen. Sie muss ihre Politik ändern - nicht die Moral der anderen.
Bernhard Strasdeit. Kreisrat der Linken


Über die Tübinger SPD schrieb RAIMUND WEIBLE in der SÜDWESTPRESSE vom 16.11.2006
Wirbel um Palmer-Jux: "Griff ins Zoten-Arsenal"

Boris Palmer hat in Tübingen sein Amt noch nicht angetreten, da verlangt die SPD schon, er solle auf den OB-Sessel verzichten. Grund: Palmers loses Mundwerk.

Die Tübinger SPD ist immer noch tief betrübt. Die Abwahl ihrer Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-­Scherer am 22. Oktober tut ihr unheimlich weh. Und macht sie wütend. Der Zorn trifft den Grünen Boris Palmer, der sich erlaubt hat, sich in Tübingen der Wahl zu stellen. Eigentlich eine ganz normale demokratische Angelegenheit. Man könnte sie sportlich nehmen. Man könnte sich kurz die Wunden lecken und dann zur Tagesordnung übergehen.

Das schafft die Tübinger SPD oder zumindest ein Teil von ihr aber nicht. Dieser Teil nimmt Palmer übel. Richtig wäre es, mit dem vom Volk gewählten Mann normale Beziehungen aufzubauen. Stattdessen wird er unter Beobachtung gestellt. Man will jede Gelegenheit nutzen, ihm eine auszuwischen.

Jetzt hat Palmer der SPD zu solch einer Gelegenheit verholfen. Vergangenen Freitag war er Gast der Tübinger Feuerwehr. Sie veranstaltet jedes Jahr einen Festabend, bei der viel gejuxt und gelacht wird. Und von den Gästen wird erwartet, dass sie dazu beitragen, dass gejuxt und gelacht werden kann. Palmer kam dem nach und erzählte unbekümmert die Geschichte von OB Werner Figgen aus Hamm (Nordrhein-­Westfalen). Der SPD-­Politiker war durch einen Seitensprung auffällig geworden und kandidierte bei der nächsten Wahl mit dem Slogan: "Wer Figgen will, muss SPD wählen." Mit dieser Pointe schloss Palmer. Die Doppeldeutigkeit des Satzes war ihm bekannt. Und den Feuerwehrleuten auch. Sie jubelten ihm zu.

Andernorts trug die Anekdote Palmer viel Kritik ein. Die Kolumnistin des "Schwäbischen Tagblatts" warf ihm einen Griff ins "Zoten-­Arsenal" vor. SPD-­Stadtrat Klaus te Wildt unterstellte Palmer, er wolle "Quoten durch Zoten" machen. Der Politikwissenschaftler Volker Rittberger, ebenfalls SPD, fand, Palmer habe sich fürchterlich daneben benommen. Wegen der "sexuellen Sex-­Schweinerei-­Assoziationen" forderte er ihn zum Verzicht auf das OB-­Amt auf. Das hat der grüne Politiker noch gar nicht angetreten. Erst am 11. Januar soll die Übergabe sein.

Die Geschichte von Figgen hat Palmer vom SPD-­Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer. Der habe ihm gesagt, als er ihm von der Aufregung in Tübingen berichtete: "Man wird doch noch eine wahre Geschichte erzählen dürfen."

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