Ältere müssen mit 38 % weniger Personal auskommen. Bilanz hui - Pflege pfui

Leserbrief von Stadträtin Gerlinde Strasdeit im Schwäbischen Tagblatt:

Frau Gehr bezeichnet im Leserbrief vom 24.11. meine Forderung nach mehr Personal für die Altenhilfe Tübingen als "Nörgelei". Damit niemand spekulieren muss hier die Stellungnahme der Tübinger Linken zum Wirtschaftsplan 2007 im Gemeinderat.

38 Prozent weniger Personal in der Altenhilfe Tübingen gGmbH seit den ersten Sparbeschlüssen Pfrondorf I und II . Das ist keine tolle Bilanz. Deshalb konnten wir dem Wirtschaftsplan 2007 weder im Aufsichtsrat noch im Gemeinderat zustimmen, weil auf dem Rücken der Beschäftigen und auf Kosten der Lebensqualität der HeimbewohnerInnen eingespart wird. Unter dem fehlenden Personal leiden die HeimbewohnerInnen. Auch die Verantwortlichen, die die Dienstpläne machen und die Beschäftigten, für die Fließbandarbeit an der Tagesordnung ist. Auch in der Nacht. Zwischendurch ist die Betreuung von sterbenden BewohnerInnen auch noch zu bewältigen. Das bringt den Beschäftigten ein ewig schlechtes Gewissen und Unzufriedenheit. Für die HeimbewohnerInnen ist die zu knappe Personalbesetzung besonders spürbar durch das "Warten". Warten bis jemand Zeit hat mit auf die Toilette zu gehen - da geht schon mal was in die Hose - die Windeleinlage wird zum Ersatz für die Toilette. Warten vor allem auf eine Aufmerksamkeit, ein persönliches Gespräch. Die Beschäftigten sind am allerwenigsten mit dieser Situation zufrieden.
Der Unterschied zwischen Theorie in der Ausbildung und Praxis bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen ist gravierend. Die so dringenden Spaziergänge mit den HeimbewohnerInnen müssen ebenso zum Alltag gehören, wie die Begleitung beim Essen in gemütlicher Runde. Für alle diese Aufgaben braucht die Tübinger Altenhilfe mehr Fachpersonal. Dies liegt in der Verantwortung des Tübinger Stadtrats. Das sind ureigene kommunalen Aufgaben der Daseinsfürsorge. Die Situation in der Tübinger Altenhilfe kann nicht nur durch die betriebswirtschaftliche Brille gesehen werden.

Gerlinde Strasdeit, Stadträtin der Tübinger Linke (TÜL-L)

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