Boris Palmers Schweizer Garde
Mittwochspalte im Schwäbischen Tagblatt 31.10. 2007
Was tun?
Wir müssen uns im Stadtrat schwer umstellen. Acht Jahre lang wies uns die letzte Oberbürgermeisterin die Rolle der Opposition zu. Und wir taten ihr treu und brav den Gefallen. Und jetzt? Was tun? Wird die Linke zur Schweizergarde von Boris Palmer?
Auf das Biotop Tübingen können wir uns verlassen: Hier wächst neben neuen Gefahren stets das Rettende. Kaum haben wir einen vernünftigen, „radikalpragmatischen“ Oberbürgermeister, fangen einige Gemeinderatsparteien und die Fachabteilung um Herrn Lucke und Frau Schwarz-Österreicher, die bisher bei Trost war, an zu spinnen. Anders kann man die Tübinger Version von „Essen auf Rädern“ nicht bezeichnen. Ab nach Kassel ging der Auftrag für das Schüleressen. Wir warten nur noch, dass der Grünrat Hickmann beantragt, den Unsinn auf Bahntransport umzustellen. Seltsame regionale Wirtschaftskreisläufe! Der Kasseler Bio-Salatfritze muss ähnlich wie im Roman „Das Parfüm“ etwas ins Essen gemischt haben, dass drei leibhaftige Schulleitungen nebst der Abteilung Schule in Verzückung gerieten und den Verstand verloren. Boris Palmer muss sie jetzt wieder auf den Teppich bringen.
Weit schlimmer als uns traf der fast einem Exorzismus gleichende Oberbürgermeisterwechsel die anderen Rathausparteien. Die AL-Grünen hatten sich noch 1999 geweigert, Boris Palmer überhaupt auf die Gemeinderatsliste zu lassen. Jetzt stiehlt er ihnen die Show. Verdutzt reiben sie sich die Augen, wenn der OB mal wieder eine Mehrheit auch ohne sie zusammenbringt. Die seit dem reinigenden Gewitter immer noch zerzauste SPD wird auf Dauer kaum in der Meckerecke glücklich werden. Vielleicht lässt sie sich von uns Linken wie auf Bundesebene ein Stück weit auf den Pfad der Tugend zurücktreiben. Der FDP-Prälat Schöning kann nicht mehr barfuß ins Bett gehen, weil die Adrenalinstöße der früheren Anrufe der Oberin ausbleiben. Immerhin kann er noch die Fußkranken im Rat hinter Erklärungen sammeln, sie würden unter Protest zustimmen. Aus der UFW-WUT kommen reichlich dissonante Töne, die noch schriller wären, hätten sie Peter Bosch nicht als Präsident eingebunden. Und die CDU hat noch Angst vor der eigenen schwarz-grünen Courage und trauert manchmal den Zuständen von Vorgestern nach, als die Mühlstraße und die Neckargasse noch gegenläufige Hauptpulsadern des durchrauschenden Verkehrs waren.
Wir freuen uns, dass das Rathaus gläserner geworden ist. An allen Ecken und Enden werden jahrelange Blockaden beendet. Mobbing und Begünstigung verabschieden sich als Leitbilder wie demnächst die Fledermäuse aus dem Schlosskeller. Investoren geben sich in Tübingen wieder die Klinke in die Hand und bringen Arbeit und Geld in die Stadt. Weil das Stadtmarketing beim Chef in guten Händen ist, könnte die untote Wirtschaftsförderungsgesellschaft eher abgeschlafft als weiter aufgebläht werden. Aber vielleicht kosten Mehrheiten auch einen politischen Preis.
Anton Brenner, Stadtrat der Linken
Was tun?
Wir müssen uns im Stadtrat schwer umstellen. Acht Jahre lang wies uns die letzte Oberbürgermeisterin die Rolle der Opposition zu. Und wir taten ihr treu und brav den Gefallen. Und jetzt? Was tun? Wird die Linke zur Schweizergarde von Boris Palmer?
Auf das Biotop Tübingen können wir uns verlassen: Hier wächst neben neuen Gefahren stets das Rettende. Kaum haben wir einen vernünftigen, „radikalpragmatischen“ Oberbürgermeister, fangen einige Gemeinderatsparteien und die Fachabteilung um Herrn Lucke und Frau Schwarz-Österreicher, die bisher bei Trost war, an zu spinnen. Anders kann man die Tübinger Version von „Essen auf Rädern“ nicht bezeichnen. Ab nach Kassel ging der Auftrag für das Schüleressen. Wir warten nur noch, dass der Grünrat Hickmann beantragt, den Unsinn auf Bahntransport umzustellen. Seltsame regionale Wirtschaftskreisläufe! Der Kasseler Bio-Salatfritze muss ähnlich wie im Roman „Das Parfüm“ etwas ins Essen gemischt haben, dass drei leibhaftige Schulleitungen nebst der Abteilung Schule in Verzückung gerieten und den Verstand verloren. Boris Palmer muss sie jetzt wieder auf den Teppich bringen.
Weit schlimmer als uns traf der fast einem Exorzismus gleichende Oberbürgermeisterwechsel die anderen Rathausparteien. Die AL-Grünen hatten sich noch 1999 geweigert, Boris Palmer überhaupt auf die Gemeinderatsliste zu lassen. Jetzt stiehlt er ihnen die Show. Verdutzt reiben sie sich die Augen, wenn der OB mal wieder eine Mehrheit auch ohne sie zusammenbringt. Die seit dem reinigenden Gewitter immer noch zerzauste SPD wird auf Dauer kaum in der Meckerecke glücklich werden. Vielleicht lässt sie sich von uns Linken wie auf Bundesebene ein Stück weit auf den Pfad der Tugend zurücktreiben. Der FDP-Prälat Schöning kann nicht mehr barfuß ins Bett gehen, weil die Adrenalinstöße der früheren Anrufe der Oberin ausbleiben. Immerhin kann er noch die Fußkranken im Rat hinter Erklärungen sammeln, sie würden unter Protest zustimmen. Aus der UFW-WUT kommen reichlich dissonante Töne, die noch schriller wären, hätten sie Peter Bosch nicht als Präsident eingebunden. Und die CDU hat noch Angst vor der eigenen schwarz-grünen Courage und trauert manchmal den Zuständen von Vorgestern nach, als die Mühlstraße und die Neckargasse noch gegenläufige Hauptpulsadern des durchrauschenden Verkehrs waren.
Wir freuen uns, dass das Rathaus gläserner geworden ist. An allen Ecken und Enden werden jahrelange Blockaden beendet. Mobbing und Begünstigung verabschieden sich als Leitbilder wie demnächst die Fledermäuse aus dem Schlosskeller. Investoren geben sich in Tübingen wieder die Klinke in die Hand und bringen Arbeit und Geld in die Stadt. Weil das Stadtmarketing beim Chef in guten Händen ist, könnte die untote Wirtschaftsförderungsgesellschaft eher abgeschlafft als weiter aufgebläht werden. Aber vielleicht kosten Mehrheiten auch einen politischen Preis.
Anton Brenner, Stadtrat der Linken
Anton Brenner - 2007/11/06 16:58
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