Genosse Don Capello auf dem letzten Jakobsweg
Schwäbisches Tagblatt. Tübingen 16.02.2008
Genosse Don Capello
Der linke Drucker Hans Jakob Kristian Hartmeyer ist gestorben
Kristian Hartmeyer
Tübingen. Der Tod hat eine Figur aus dem Stadtbild radiert. In seiner Wohnung in der Haaggasse ist Kristian Hartmeyer Ende Januar einem Herzschlag erlegen. Bestattet haben ihn Freunde im Schweizer Kanton Wallis. Geboren war er am 9. März 1940 in Tübingen. Der Großvater war Weingärtner und Straßenfeger. Die Familie stammte ursprünglich aus der Schweiz. Der Vater Adolf liegt auf dem Stadtfriedhof begraben, er war der erste gewählte SPD-Oberbürgermeister nach dem Krieg. Hans Jakob Christian (später schrieb er sich mit K) besuchte die Waldorf-Schule.
Das Abitur machte er am Wirtschaftsgymnasium in Reutlingen, in Wien studierte er Volkswirtschaft, auch in Münster, wo er sich verheiratete. Aus dem eher unglücklichen Bund ging ein Sohn hervor. Hartmeyer kehrte zurück nach Tübingen, arbeitete lange als Souffleur im LTT, schaffte dann als Buchdrucker beim Stuwe-Druck. Zahllose Flugblätter sind durch seine Hände gegangen, Anton Brenner beschäftigte ihn in seinem Copy-Shop im Nonnenhaus.
Hartmeyer gehörte eigentlich in die freie Natur, „ich bin ein Waldmensch“, sagt er oft. Da war er mit seinem großen Pilzkorb unterwegs. Von Natur aus war er ein Herz-Linker, mit großem Zorn ausgestattet, der sich in die Kommunalpolitik ein- und bei Bürgerinitiativen mitmischte. Er trat vor Kindern als Märchenerzähler auf, gab mit seinem Karl-Marx-Bart einen idealen Nikolaus ab. „Der Vesperator“ nannte man ihn in seinen Stammlokalen, wegen der ausgedehnten Art zu vespern. Seinem Freund Brenner half er im Weinberg. Sein Bild taucht als „Don Capello“ auf Flaschenetiketten von Grappa und Kräuterlikör auf.
Seine Rente war bescheiden, er verdiente sich ein Zubrot mit dem Verkauf von selbstgefertigten “Toleranzschleudern“, seine lockeren Sprüche machten ihn dabei zu einer Kultfigur für junge Leute. Sein letztes Projekt: er versah Knotenstöcke mit sonderbaren Schriftzeichen, um sie als “Wanderstäbe für den Jakobsweg“ zu veräußern. Seine Freunde werden dem Kumpanen ein herzblutrotes Andenken bewahren. Die Trauerfeier ist am Freitag, 22. Februar um 13 Uhr in der Jakobuskirche, gestaltet vom Theodorakis-Chor, bei dem er als Stütze des Basses mitsang. Anschließend gibt es im Boulanger ein “Vesper nach Kristians Art“. jon
Genosse Don Capello
Der linke Drucker Hans Jakob Kristian Hartmeyer ist gestorben

Kristian Hartmeyer
Tübingen. Der Tod hat eine Figur aus dem Stadtbild radiert. In seiner Wohnung in der Haaggasse ist Kristian Hartmeyer Ende Januar einem Herzschlag erlegen. Bestattet haben ihn Freunde im Schweizer Kanton Wallis. Geboren war er am 9. März 1940 in Tübingen. Der Großvater war Weingärtner und Straßenfeger. Die Familie stammte ursprünglich aus der Schweiz. Der Vater Adolf liegt auf dem Stadtfriedhof begraben, er war der erste gewählte SPD-Oberbürgermeister nach dem Krieg. Hans Jakob Christian (später schrieb er sich mit K) besuchte die Waldorf-Schule.
Das Abitur machte er am Wirtschaftsgymnasium in Reutlingen, in Wien studierte er Volkswirtschaft, auch in Münster, wo er sich verheiratete. Aus dem eher unglücklichen Bund ging ein Sohn hervor. Hartmeyer kehrte zurück nach Tübingen, arbeitete lange als Souffleur im LTT, schaffte dann als Buchdrucker beim Stuwe-Druck. Zahllose Flugblätter sind durch seine Hände gegangen, Anton Brenner beschäftigte ihn in seinem Copy-Shop im Nonnenhaus.
Hartmeyer gehörte eigentlich in die freie Natur, „ich bin ein Waldmensch“, sagt er oft. Da war er mit seinem großen Pilzkorb unterwegs. Von Natur aus war er ein Herz-Linker, mit großem Zorn ausgestattet, der sich in die Kommunalpolitik ein- und bei Bürgerinitiativen mitmischte. Er trat vor Kindern als Märchenerzähler auf, gab mit seinem Karl-Marx-Bart einen idealen Nikolaus ab. „Der Vesperator“ nannte man ihn in seinen Stammlokalen, wegen der ausgedehnten Art zu vespern. Seinem Freund Brenner half er im Weinberg. Sein Bild taucht als „Don Capello“ auf Flaschenetiketten von Grappa und Kräuterlikör auf.
Seine Rente war bescheiden, er verdiente sich ein Zubrot mit dem Verkauf von selbstgefertigten “Toleranzschleudern“, seine lockeren Sprüche machten ihn dabei zu einer Kultfigur für junge Leute. Sein letztes Projekt: er versah Knotenstöcke mit sonderbaren Schriftzeichen, um sie als “Wanderstäbe für den Jakobsweg“ zu veräußern. Seine Freunde werden dem Kumpanen ein herzblutrotes Andenken bewahren. Die Trauerfeier ist am Freitag, 22. Februar um 13 Uhr in der Jakobuskirche, gestaltet vom Theodorakis-Chor, bei dem er als Stütze des Basses mitsang. Anschließend gibt es im Boulanger ein “Vesper nach Kristians Art“. jon
Anton Brenner - 2008/02/16 16:09
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