Der Druck der Auslese

Mittwochsspalte - 27.02.2007 - Traudel Horn-Metzger

edeltraud_horn_metzgerKürzlich wurde im Gemeinderat der Beschluss zur Auflösung der Hauptschule Lustnau gefasst. Zurückgehende Schülerzahlen gerade an diesem Schultyp weisen darauf hin, dass es den Wünschen vieler Eltern entspricht, einen Schulabschluss für ihre Kinder zu erreichen, der faktisch die besseren Berufsperspektiven bietet. In Tübingen sind jetzt Runde Tische eingerichtet worden, wo sich Haupt-, Real- und Gymnasialschulen mit der sich verändernden Schullandschaft auseinandersetzen und Kooperation/Schulverbünde diskutieren.

Gehören zur Schullandschaft nicht auch Grund- und FörTübingderschulen? Warum werden diese Schulen an der Kooperation nicht beteiligt? Sollen weiterhin „schwächere“ Kinder, die gesondert unterrichtet werden, unter sich bleiben? Sollen Kinder in der vierten Klasse dem Druck der Auslese unterzogen werden?

Warum lässt man, allen pädagogischen Empfehlungen zum Trotz, Begabungen, Leistungslust, Interessen (dazu gehört auch schon mal ein Scheitern) sich nicht frei entwickeln, sondern setzt auf Konkurrenzbedingungen und Leistungsdruck? Warum werden alternative Ansätze in der Regel privaten Schulen überlassen? Dass es auch anders geht, zeigt die staatliche Potsdamer Montessori-Gesamtschule, die 2007 zur besten Schule gekürt wurde. Hier in Baden-Württemberg deutet alles auf Flickschusterei hin.

Ein weiteres aktuelles Thema: Die Beschäftigten der Kommunen befinden sich in Tarifverhandlungen. OB Boris Palmer will kräftige Lohnsteigerungen. Auch Tübingen hatte letzte Woche seinen Warnstreik, wenn auch eher in der pietistischen Ausprägung, nämlich in der Mittagspause. Doch was nicht ist, kann noch werden. Das Angebot der Arbeitgeber, Lohnerhöhung mit Arbeitszeitverlängerung zu koppeln, ist unakzeptabel für Beschäftigte zum Beispiel im Sozialbereich (Pflege, Altenhilfe, Kitas, Jugendhilfe und vieles mehr) mit großem Arbeitsdruck und ein falsches Signal für Erwerbslose.

Apropos Erwerbslose: Vermehrt wird auf SGB II-Bezieher Druck ausgeübt, ihre „zu teure“ Wohnung zu verlassen. Aufgrund meines ehrenamtlichen Engagements im Arbeitslosentreff (TAT) kenne ich konkrete Fälle. Die Mietobergrenzen müssen angepasst und vermehrt in sozialen Mietwohnungsbau/Wohnprojekte investiert werden.

Edeltraud Horn-Metzger, TÜLL-Stadträtin

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