Dankwart-Paul Zellers Brecht-Interpretation
Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt vom 5. Februar 2005
Ich habe ja schon sehr unterschiedliche Interpretationen von Brechts Gedicht „An die Nachgeborenen“ gelesen. Aber so etwas Kurioses wie Pfarrer Zellers Schriftauslegung ist mir noch nie begegnet. Er bezieht das „gedenkt unserer mit Nachsicht“ auf seinen angeheirateten Nazi-Onkel Theodor Haering.
Brecht schieb das Gedicht im Widerstand gegen die Nazis, wohl wissend, dass auch der Kampf gegen das Unrecht die Züge verzerrt. Werden demnächst die Neonazis mit Bildern von Hitler, Himmler, Rosenberg und rassistischen Schreibtischtätern wie Haering unter der Bildüberschrift „Gedenkt unserer mit Nachsicht“ durch die deutschen Städte marschieren?
Tübingen kann im Jahr 2006 nicht Stadt der Wissenschaft werden mit einem Haus, das nach einem Rassenphilosophen benannt ist, der den KZ- und Sonderkommando-Schlächtern die Theorie für ihr Handeln eingetrichtert hat. Die 50er-Jahre sind vorbei, in denen so ein Strolch noch die Ehrenbürgerschaft aus der Hand seines NSDAP-Parteigenossen Gmelin erhalten konnte. [...]* . Die Naziideologie passte jedoch in keinen Lastwagen, blieb in den Tübinger Köpfen und verteilte sich auf alle Parteien.
Schade, dass Dankwart-Paul Zeller nicht schon vor einem Jahr, als wir darüber sprachen, die Kraft gefunden hat, selbst die Umbenennung des Haering-Hauses in Hayum-Haus anzuregen. Schade auch, dass es doch stimmt, was Bert Brecht im „Anachronistischen Zug“ über manche Geistlichen geschrieben hat: „Wurd die Kutte hochgerafft sah hervor ein Stiefelschaft.“
Anton Brenner
Stadt- und Kreisrat der Tübinger Linken / PDS
*Die Wählervereinigung Tübinger Linke hat sich per gerichtlichem Vergleich am 1.3. verpflichtet, den hier ursprünglich publizierten Satz nicht mehr zu verbreiten.
Ich habe ja schon sehr unterschiedliche Interpretationen von Brechts Gedicht „An die Nachgeborenen“ gelesen. Aber so etwas Kurioses wie Pfarrer Zellers Schriftauslegung ist mir noch nie begegnet. Er bezieht das „gedenkt unserer mit Nachsicht“ auf seinen angeheirateten Nazi-Onkel Theodor Haering.Brecht schieb das Gedicht im Widerstand gegen die Nazis, wohl wissend, dass auch der Kampf gegen das Unrecht die Züge verzerrt. Werden demnächst die Neonazis mit Bildern von Hitler, Himmler, Rosenberg und rassistischen Schreibtischtätern wie Haering unter der Bildüberschrift „Gedenkt unserer mit Nachsicht“ durch die deutschen Städte marschieren?
Tübingen kann im Jahr 2006 nicht Stadt der Wissenschaft werden mit einem Haus, das nach einem Rassenphilosophen benannt ist, der den KZ- und Sonderkommando-Schlächtern die Theorie für ihr Handeln eingetrichtert hat. Die 50er-Jahre sind vorbei, in denen so ein Strolch noch die Ehrenbürgerschaft aus der Hand seines NSDAP-Parteigenossen Gmelin erhalten konnte. [...]* . Die Naziideologie passte jedoch in keinen Lastwagen, blieb in den Tübinger Köpfen und verteilte sich auf alle Parteien.
Schade, dass Dankwart-Paul Zeller nicht schon vor einem Jahr, als wir darüber sprachen, die Kraft gefunden hat, selbst die Umbenennung des Haering-Hauses in Hayum-Haus anzuregen. Schade auch, dass es doch stimmt, was Bert Brecht im „Anachronistischen Zug“ über manche Geistlichen geschrieben hat: „Wurd die Kutte hochgerafft sah hervor ein Stiefelschaft.“
Anton Brenner
Stadt- und Kreisrat der Tübinger Linken / PDS
*Die Wählervereinigung Tübinger Linke hat sich per gerichtlichem Vergleich am 1.3. verpflichtet, den hier ursprünglich publizierten Satz nicht mehr zu verbreiten.
frederic - 2005/02/06 14:42
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