Umbenennung des Haering-Hauses
Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt, 16.02.05 - Anton Brenner
Die Stadt hat ihren Kopf aus dem Sand gezogen und will unserem Antrag folgen und das Haering-Haus umbenennen. Gut so. Was aber soll das schon wieder: Die Verwaltung werde „einen neutralen Namen“ vorschlagen? Welches Denken steckt dahinter? Gehört Simon Hayum zur Gegenpartei? Gibt es einen neutralen Weg zwischen Tätern und Opfern?
Simon Hayum war Tübinger Stadtrat der Vorgängerpartei der FDP. Die DDP hatte prominente Mitglieder wie Theodor Heuß, Reinhold Maier, Max Weber, Thomas Mann, Albert Einstein, Thomas Dehler, Walther Rathenau, Friedrich Naumann und eben den Tübinger Stadtrat, der fliehen musste, Simon Hayum. Er war Tübinger Jude und ein Mann der demokratischen Mitte. Ihn 2005 zur Partei zu erklären heißt, einen Weg zwischen Opfern und Tätern zu suchen, Opfer und Täter gewissermaßen gleichzusetzen. Die NPD bringt diese Gleichsetzung mit dem Wort Bombenholocaust auf den Punkt. Und im Tübinger Rathaus wurde jüngst den letzten jüdischen Tübingern die Gegenrechnung der Bombenopfer serviert.
Die FAZ fragte am 13.2.05 unter der Überschrift „Über den Umgang der Deutschen mit ihren Vergangenheiten“ Jan Philipp Reemtsma: „Harald Welzer hat in seinem Buch ‚Opa war kein Nazi’ gezeigt, dass gerade jüngere Deutsche die eigene Familiengeschichte ... so zurechtrücken, dass der Großvater eben kein Nazi, sondern einer war, der Juden half und überhaupt gegen Hitler war. Plötzlich sind alle auf der Siegerseite. Ist das eine andere Art, den Schlussstrich zu ziehen?“
Diese Frage wird gerade Tübingen noch eine Weile beschäftigen und Thomas Leon Heck (Leserbrief vom 12.2.05) kann ich nur sagen: Es ist ein Unterschied, ob ein Entronnener des Holocaust ironisch über den Schriftsteller Gerd Gaiser urteilt, „gedenken wir seiner mit Nachsicht“, oder ob ein Neffe, Sohn oder Enkel eines Naziverstrickten dies im Jahr 2005 einfordert.
Anton Brenner, Stadt- und Kreisrat der Tübinger Linken/PDS,
Im Buckenloh 11
Die Stadt hat ihren Kopf aus dem Sand gezogen und will unserem Antrag folgen und das Haering-Haus umbenennen. Gut so. Was aber soll das schon wieder: Die Verwaltung werde „einen neutralen Namen“ vorschlagen? Welches Denken steckt dahinter? Gehört Simon Hayum zur Gegenpartei? Gibt es einen neutralen Weg zwischen Tätern und Opfern? Simon Hayum war Tübinger Stadtrat der Vorgängerpartei der FDP. Die DDP hatte prominente Mitglieder wie Theodor Heuß, Reinhold Maier, Max Weber, Thomas Mann, Albert Einstein, Thomas Dehler, Walther Rathenau, Friedrich Naumann und eben den Tübinger Stadtrat, der fliehen musste, Simon Hayum. Er war Tübinger Jude und ein Mann der demokratischen Mitte. Ihn 2005 zur Partei zu erklären heißt, einen Weg zwischen Opfern und Tätern zu suchen, Opfer und Täter gewissermaßen gleichzusetzen. Die NPD bringt diese Gleichsetzung mit dem Wort Bombenholocaust auf den Punkt. Und im Tübinger Rathaus wurde jüngst den letzten jüdischen Tübingern die Gegenrechnung der Bombenopfer serviert.
Die FAZ fragte am 13.2.05 unter der Überschrift „Über den Umgang der Deutschen mit ihren Vergangenheiten“ Jan Philipp Reemtsma: „Harald Welzer hat in seinem Buch ‚Opa war kein Nazi’ gezeigt, dass gerade jüngere Deutsche die eigene Familiengeschichte ... so zurechtrücken, dass der Großvater eben kein Nazi, sondern einer war, der Juden half und überhaupt gegen Hitler war. Plötzlich sind alle auf der Siegerseite. Ist das eine andere Art, den Schlussstrich zu ziehen?“
Diese Frage wird gerade Tübingen noch eine Weile beschäftigen und Thomas Leon Heck (Leserbrief vom 12.2.05) kann ich nur sagen: Es ist ein Unterschied, ob ein Entronnener des Holocaust ironisch über den Schriftsteller Gerd Gaiser urteilt, „gedenken wir seiner mit Nachsicht“, oder ob ein Neffe, Sohn oder Enkel eines Naziverstrickten dies im Jahr 2005 einfordert.
Anton Brenner, Stadt- und Kreisrat der Tübinger Linken/PDS,
Im Buckenloh 11
frederic - 2005/02/16 14:56
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