"Haus des Wissens". Statt auf der NS-Ordensburg Vogelsang nun in Tübingen
Anton Brenner - 12.03.2005
"Nicht mehr gebaut wurden ein an Monumentalarchitektur angelehntes "Haus des Wissens" mit "Ehrenhalle" für die 1923 getöteten Münchener Putschisten, einer Bibliothek, einem Hörsaal mit 1.400 Plätzen und Seminarräumen, sowie ein "Kraft-durch-Freude"-Hotel mit 2.000 Betten." heißt es in der Beschreibung der NS-Ordensburg Vogelsang in der Nordeifel.

Für die Tübinger Oberbürgermeisterin Britte Russ-Scherer ist das Tübinger "Theodor-Haering-Haus" ein zentraler Punkt der Bewerbung der Stadt Tübingen als "Stadt der Wissenschaft 2006". Das Haus ist nach dem Tübinger Ehrenbürger und Philosophieprofessor Theodor Haering benannt, der im Dritten Reich nach eigenen Worten Philosophie als "geistige Rassenkunde" betrieb und nach der Erinnerungen von Carlo Schmid noch nach der Befreiung 1945 Adolf Hitler in den höchsten Tönen pries.
Die Fraktion der Tübinger Linken / PDS fand diese Namensgebung nicht ganz passend und regte an, das Haus doch nach dem im Dritten Reich vertriebenen Tübinger Stadtrat Simon Hayum zu benennen. Hayum war ein Parteifreund von Theodor Heuss in der liberalen DDP.
Das war ein Stich ins Tübinger Nazi-Wespennest. Die Oberbürgermeisterin ließ zuerst durch ihre Pressesprecherin erklären, das Haus hieße gar nicht offiziell nach Theodoer Haering. Nachdem die Tageszeitung Bilder mit der Beschriftungstafel veröffentlicht hatte, musste sie sich korrigieren. Der Name werde geändert, sie wolle aber einen "unparteiischen" Namen. Als ob der verfolgte jüdisch-liberale Stadtrat Hayum die eine Partei sei und der Nazi-Philosoph die andere Partei. Noch ist die Verharmlosung der Nazis und die Verhöhung der Opfer, die mit dieser Gleichsetzung zum Ausdruck kommt, nicht strafbar.
Der geniale Kompromissvorschlag der Oberbürgermeisterin, die Namensgebung "Haus des Wissens" entpuppt sich nun als neuer Griff ins Klo. Auf der Nazi-Ordensburg Vogelsang war zuletzt ein "Haus des Wissens" geplant. In der Beschreibung heißt es: "Die von den Sportanlagen über die in den Hang integrierte "Thingstätte" als Platz für gemeinschaftliches Feiern bis hinauf zum geplanten "Haus des Wissens" reichenden Schulungsstätten setzten architektonisch die bereits in Hitlers "Mein Kampf" beschriebenen Grundsätze der spezifischen NS-Erziehung um: In einem dreistufigen Konzept sollte dies führen von der "Heranzüchtung gesunder Körper" über die Charaktererziehung, "besonders die Förderung der Willens- und Entschlusskraft, verbunden mit der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit, und erst als letztes die wissenschaftliche Schulung".
Am 15.03.2005 entscheidet sich im Rathaus zu Bremen, wer "Stadt der Wissenschaft 2006" wird. Die sechs Bewerberinnen für die "Stadt der Wissenschaft 2006" sind die Vorjahresfinalisten Dresden und Tübingen sowie Münster und Magdeburg, die ebenfalls bereits in der ersten Wettbewerbsrunde teilgenommen hatten. Erstmalig ins Rennen gehen die Städte Bonn und Potsdam. Die Juroren sollten sich vor einer Entscheidung kundig machen, mit welchen Kuriositäten Frau Russ-Scherer aus Tübingen aufwartet.
"Nicht mehr gebaut wurden ein an Monumentalarchitektur angelehntes "Haus des Wissens" mit "Ehrenhalle" für die 1923 getöteten Münchener Putschisten, einer Bibliothek, einem Hörsaal mit 1.400 Plätzen und Seminarräumen, sowie ein "Kraft-durch-Freude"-Hotel mit 2.000 Betten." heißt es in der Beschreibung der NS-Ordensburg Vogelsang in der Nordeifel.

Für die Tübinger Oberbürgermeisterin Britte Russ-Scherer ist das Tübinger "Theodor-Haering-Haus" ein zentraler Punkt der Bewerbung der Stadt Tübingen als "Stadt der Wissenschaft 2006". Das Haus ist nach dem Tübinger Ehrenbürger und Philosophieprofessor Theodor Haering benannt, der im Dritten Reich nach eigenen Worten Philosophie als "geistige Rassenkunde" betrieb und nach der Erinnerungen von Carlo Schmid noch nach der Befreiung 1945 Adolf Hitler in den höchsten Tönen pries.
Die Fraktion der Tübinger Linken / PDS fand diese Namensgebung nicht ganz passend und regte an, das Haus doch nach dem im Dritten Reich vertriebenen Tübinger Stadtrat Simon Hayum zu benennen. Hayum war ein Parteifreund von Theodor Heuss in der liberalen DDP.
Das war ein Stich ins Tübinger Nazi-Wespennest. Die Oberbürgermeisterin ließ zuerst durch ihre Pressesprecherin erklären, das Haus hieße gar nicht offiziell nach Theodoer Haering. Nachdem die Tageszeitung Bilder mit der Beschriftungstafel veröffentlicht hatte, musste sie sich korrigieren. Der Name werde geändert, sie wolle aber einen "unparteiischen" Namen. Als ob der verfolgte jüdisch-liberale Stadtrat Hayum die eine Partei sei und der Nazi-Philosoph die andere Partei. Noch ist die Verharmlosung der Nazis und die Verhöhung der Opfer, die mit dieser Gleichsetzung zum Ausdruck kommt, nicht strafbar.
Der geniale Kompromissvorschlag der Oberbürgermeisterin, die Namensgebung "Haus des Wissens" entpuppt sich nun als neuer Griff ins Klo. Auf der Nazi-Ordensburg Vogelsang war zuletzt ein "Haus des Wissens" geplant. In der Beschreibung heißt es: "Die von den Sportanlagen über die in den Hang integrierte "Thingstätte" als Platz für gemeinschaftliches Feiern bis hinauf zum geplanten "Haus des Wissens" reichenden Schulungsstätten setzten architektonisch die bereits in Hitlers "Mein Kampf" beschriebenen Grundsätze der spezifischen NS-Erziehung um: In einem dreistufigen Konzept sollte dies führen von der "Heranzüchtung gesunder Körper" über die Charaktererziehung, "besonders die Förderung der Willens- und Entschlusskraft, verbunden mit der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit, und erst als letztes die wissenschaftliche Schulung".
Am 15.03.2005 entscheidet sich im Rathaus zu Bremen, wer "Stadt der Wissenschaft 2006" wird. Die sechs Bewerberinnen für die "Stadt der Wissenschaft 2006" sind die Vorjahresfinalisten Dresden und Tübingen sowie Münster und Magdeburg, die ebenfalls bereits in der ersten Wettbewerbsrunde teilgenommen hatten. Erstmalig ins Rennen gehen die Städte Bonn und Potsdam. Die Juroren sollten sich vor einer Entscheidung kundig machen, mit welchen Kuriositäten Frau Russ-Scherer aus Tübingen aufwartet.
Anton Brenner - 2005/03/12 17:49
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