Boris Palmer, der Bärenspitz und Luxus für alle

16. Juni 2009 – Gestern im Planungsausschuss

Der Bärenspitz ist überall

Gestern zog Boris Palmer seine Nachverdichtungsplanungen am „Bärenspitz“, in Tübingens Halbhöhenlage zurück. Gegen massive Einwände des Quartiers will er nichts durchsetzen, auch wenn er es weiterhin für richtig hält. Herr Riethmüller hätte die Bebauung in Nähe des Bärenspitzes mit der Bebauung des Anlagenparks verglichen. Anders die Grünen und die SPD, die rechthaberisch schon mit ihrer neuen Mehrheit winkten. Sie wissen alles besser. Ein erster Konfliktfall?

Mir ist die Haltung Palmers sympathischer, wenn sie nicht nur für Alpha-Tübinger in Halbhöhenlage gilt. Was den Bärenspitzen recht ist, muss auch für die Nachbarn des Sophie-Haug-Kindergartens gelten – und für die Bewohner am Hechinger Eck, die Beschattungen durch weitere Verdichtungen befürchten, und für Tübinger mit und ohne innerdeutschem Migrationshintergrund, die das Haus Mühlstraße 3 nicht mit einer kuriosen Hangsicherungsmaßnahme mit dreizehn Bergankern eintauschen wollen. Den mit Überdichtung geplagten Bewohnern des Mühlenviertels haben wir ja auch einen Turm vor dem Maschinenmagazin erspart. Auch durch Nachverdichtung kann man Tübingen ruinieren. Tübingen blieb dieses Schicksal, das andere Städte schon im Nachkriegsboom ereilte, nur deswegen erspart, weil damals das Geld fehlte.

Luxus für alle

Die Asphaltfläche vor dem Kepler-Gymnasium soll „über ein Stahlverfahren in einem speziellen Muster aufgeraut werden“. 16 000 Euro kostet das Blümchenmuster. Der Geschmack der Nierentischära ist ja wieder „in“. Das ist relativ billig im Vergleich zu der neuen blauen Aschenbahn, deren Blaufärbung 40 000 Euro mehr kostet als die Standard-Ziegelfarbe. Billiger auch als die zehn Bäume in der Mühlstraße, die es auf 100 000 Euro bringen, und weit billiger als der Abriss der Mühlstraße 3 zu Verschönerungszwecken, was je nach Einrechnung der 60-prozentigen Zuschüsse und der fünfmonatigen Busumleitung zwischen 450 000 und 1,5 Millionen kostet. Das passt zum mehrfach wöchentlich angekarrten Mensaessen von einem Ökokoch aus Kassel, das die Schulleiter-Leckermäuler aus der Uhlandstraße zusammen mit dem SPD-Bürgermeister Lucke ausgekostet haben. Tübinger will es so. Wir werden darauf achten, dass der einmal erreichte Luxusstandard in Zukunft für alle gilt.

Anton Brenner

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