Zwischen 10 und 33 Prozent überhöhte Tarife in Tübingen. So zahlen die Bürger die Fehlinvestitionen von Frau Russ-Scherer. Zum rotzfrechen Brief der Stadtwerkedirektoren vom 19.4.2005

Offener Brief an die Stadtwerkedirektoren - 20.04.05 - Anton Brenner

Sehr geehrter Herr Wiebecke,
sehr geehrter Herr Dr. Kötzle,

anton brennerich gehe in der Tat davon aus, dass nur (marktwirtschaftlicher) Druck bei den Stadtwerken ein faires Verhalten bewirken kann. In dieser Meinung werde ich durch Ihren Brief bestärkt. Mit Taschenspielertricks gehen Sie gegen die Vergleichszahlen meines am 15.4.05 erschienenen Leserbrief vor.

Selbstverständlich habe ich Wasser incl. Abwasser in Tübingen und Karlsruhe verglichen, sonst hätte ich in dem Leserbrief nicht von "Stadt und Stadtwerken" Tübingen gesprochen, womit es bei den 33,6 Prozent Mehrkosten in Tübingen bleibt.

Mit keinem Wort habe ich bei den Gaspreisen von den Stadtwerken Horb oder Herrenberg gesprochen, sondern von der EnBW und den Stadtwerken Tübingen, Tarifstand März 2005. Im April hat die EnBW neue Tarife eingeführt, so dass der für jeden nachvollziehbare Vergleich jetzt so aussieht: 20 000 kWh Gas kosten beim EnBW Tarifrechner 1025,60 Euro/a, beim EnBW-ErdgasCOMFORT-Tarif 1050,50 Euro/a. Beim Heiztarif der Stadtwerke Tübingen 1154,56 Euro/a. Wir zahlen also in Tübingen 12,5 oder zumindest 9,9 Prozent mehr. http://www.enbw.com/content/de/index.php und http://www.swtue.de/gas/tarife.html

Beim Strom werden Sie nicht im Ernst verlangen wollen, dass ich Stromverträge mit vier Jahren Laufzeit mit kurzzeitig beendbaren Verträgen vergleiche. Seien Sie froh, dass ich Ihren Spartarif mit einjähriger Laufzeit mit Schwabenstrom-Tarifen mit Kündigungsmöglichkeit aufs Quartal verglichen habe. Doch ich nehme ihre Anregung gerne auf und vergleiche die beiden Normaltarife. 5000 kWh Strom kosten demnach bei Schwabenstrom 859.00 Euro und bei den Stadtwerken Tübingen 977.00 Euro, also 13,7% mehr. http://www.verivox.de/

Zusammen ergibt sich also bei 300 Kubikmeter Wasser/Abwasser, 20 000 kWh Gas und 5000 kWh Strom für eine Tübinger Familie eine jährliche Mehrbelastung von 542,74 Euro.

Die Tarife der Stadtwerke Tübingen sind nicht dazu da, eine zweite Steuer bei den Tübingern zu erheben. Über die Tarife treffen Sie gerade Familien mit Kindern, die eh schon jeden Cent herumdrehen müssen, während Singles und Doppelverdiener, die kaum zu Hause sind und ihre Notdurft z.B. im Rathaus verrichten, ungeschoren bleiben.

Nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihrem Vorgänger Dr. Weng, dessen Ehrgeiz es war, für die Tübinger die günstigsten Tarife anzubieten und der trotzdem gut wirtschaftete. Es sollte sich verbieten, dass Sie ihre Erfolgsgratifikation von bis zu 25 000 Euro pro Kopf durch das Schröpfen von bedürftigen Familien erschleichen. Wenn man die überhöhten Gebühren abzieht, stehen die drei Kaiser der Tübinger Stadtwerke und ihre Aufsichtsratsvorsitzende nackt da.

Ich rechne fest damit, dass Sie zu anständigen Tarifen zurückkehren und wir auf eine Informationskampagne zum Tarifwechsel verzichten können.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Brenner, Stadtrat der Tübinger Linken / PDS

Ergänzung (29.04.05):
Bei 20 000 kWh/a Gas (Vergleich des Normaltarifs Tübingen mit dem Gaspreisrechner der EnBW) pro Jahr verlangen die Tübinger Stadtwerke 8,13 Prozent, bei 30 000 kWh/a 10.32 Prozent mehr als die EnBW.

Ergänzung (03.05.05):
Die EnBW hat ihren Gaspreisrechner nach dem 2.5.2005 umgestellt, da er veraltete Zahlen lieferte. Die Versorger kommen bei der Geschwindigkeit der Preiserhöhungen offensichtlich nicht mehr dazu, korrekte Preise zu nennen. Dann liegen im Vergleich der besten Tarife die Stadtwerke bei 30 000 kWh/a 6,6 Prozent und bei 20 000 kWh/a 5,6 Prozent über den Gaspreisen der EnBW. (Beim Vergleich der Heiztarife 7,2 und 9,9 Prozent) Auch ganz schön. 98,40 bzw. 58,40 Euro Einsparung je nach Größe der Wohnung summiert sich auch zu einer Millionensumme, die den Tübingern an Kaufkraft verloren geht.

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