Meinungsvielfalt in Tübingen: Langer B-27-Tunnel im Jahr 2020 oder Gögler-Trasse sofort?

Zu der Tagblatt-Berichterstattung über den „Durchbruch für den langen Tunnel“ (am 15.07.2005)

„In diesem Jahrzehnt die Planung abschließen und im nächsten Jahrzehnt bauen“, lautet der Zeitplan des grünen Bundestagsabgeordneten für die B 27 zwischen Bläsibad und dem Verkehrsknoten vor dem Französischen Viertel. Also bis 2010 planen und bis 2020 bauen. Dieser unzumutbare Schwachsinn wird uns als „Durchbruch“, „großer Erfolg“, „durchschlagener Knoten“, „einzige Lösung“ verkauft. Die Südstadtbewohner sollen sich noch 15 Jahre über einen fast stehenden Verkehr freuen dürfen – mit den bekannten Folgen der verrußten Lungen ihrer Kinder und den Chancen erhöhter Krebsraten.

Was bei dem Planungsprozess am Ende dieses Jahrzehnts herauskommt, kann sich jeder vorstellen.
Die Grünen haben im Kreistag ein Gutachten über den Mülltransport auf der Schiene in die Müllverbrennungsanlage nach Stuttgart-Münster beantragt. Das Gutachten wurde erstellt und kostete mächtig Geld. Als das Gutachten vorlag, reiste eine Kreistagsdelegation zur Müllverbrennungsanlage und stellte fest, dass es dort gar keinen Bahnanschluss gibt. Der in Tübingen verdichtete Müll müsste dort entdichtet, auf Lastwagen umgeladen und 900 Meter ins Tal chauffiert werden, zum doppelten Preis. Was ist, wenn bei der konkreten langen Tunnelplanung statt 133 Millionen Euro 250 Millionen herauskommen oder die Auffahrt aus der Talaue Richtung Reutlingen zu gigantisch gerät? Dann sind wieder 10 Jahre verloren.

Wer im Französischen- oder Loretto-Viertel wohnt und noch einen Rest von Verantwortungsgefühl für seine Kinder hat, lässt sich von der durchgeknallten Tübinger Politiker- und Verwaltungsriege nicht auf eine Planung bis 2010 und einen Bau bis 2020 vertrösten. Vierspurig subito! Ich weiß, dass der gesunde Menschenverstand als verstaubt gilt. Das große Rad drehen ist modern, Das a- und unsoziale Gehabe der Emporkömmlinge gilt als Reform. Die gedeckelte Trasse des alten Gögler erscheint drei Vierteln unserer Fraktion als diskussionswürdiger als die 15-jährigen Vertröstungen des angestaubten Altpolitikertrios Hermann/Russ/Gmelin.

Anton Brenner
Fraktionsvorsitzender der TÜLL (Tübinger Linke – Linkspartei)

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