Realsatire in Tübingen: Der Tübinger Oberstadtdirektor Großhans verweigert die Umbenennung der PDS in Linkspartei
Das Schwäbische Tagblatt kommentiert:
Die TÜLL –wie sie schallt und raucht
Nomen est omen. Des Pfarrers Frage bei der Taufe, wie das Kindlein nun denn heißen soll, hat schon manches Mal für die ersten Turbulenzen in einer jungen Ehe geführt. Und wie man am Sonntag beim Sonderparteitag der PDS in Berlin gesehen hat, kann auch eine politische Partei ziemlich ins Schwitzen kommen, wenn es darum geht, sich selber ein neues Etikett zu verpassen. Schließlich ist der Name immer auch ein bisschen Programm – und das lautet nun ganz offiziell: „Die Linkspartei.PDS“.
Was die Taufpaten bei ihrer Findungsdebatte in der Hauptstadt möglicherweise nicht ausreichend bedacht haben: Der neue Schriftzug auf der roten Fahne stellt nun die vierköpfige TÜL/PDS-Fraktion im Tübinger Rat vor ein Problem. Wie soll sie künftig firmieren? Etwa mit vollem Namen als „Tübinger Linke/Die Linkspartei/Partei des Demokratischen Sozialismus“ oder abgekürzt als „TÜL/Linkspartei/PDS“?
So viel doppeltgemoppeltes Wortgeklingel war Fraktionschef Anton Brenner und seinen Mitstreitern Gerhard Bialas, Gerlinde Strasdeit und Bernd Melchert offenbar dann doch nicht geheuer. Warum so umständlich programmatisch, wenn es pragmatisch auch kurz und bündig geht, dachten sich die vier Stadträte wohl, und einigten sich darauf, dass sie von Stund an nicht mehr „TÜL/PDS“, sondern schlicht „TÜLL“ heißen wollen – TÜLL doppelt links wie „Tübinger Linke – Linkspartei“.
Bravo! Wer die zwiefachen Binde- und Schrägstrich-Namen, die immer öfter wie Zerreißnägel in die deutsche Sprache gestreut werden, nicht mag, wird am griffigen TÜLL (nicht zu verwechseln mit dem „netzartigen Gewebe“ im Duden) seine Freude haben. Beim Tübinger Kreisvorstand der „Die Linkspartei.PDS“ sieht man das allerdings anders. Kaum hatte Brenner am Wochenende den Neunamen der Fraktion per Pressemitteilung verkündet, schickte sein Nachwuchs-Genosse Frederico Elwing ein unfreundliches Contra hinterher.
Grund der Intervention: Im Kreisvorstand hat man erhebliche Bedenken juristischer Art, ob diese Umbenennung überhaupt möglich ist. Korrekterweise nämlich, so viel Zeit muss laut Elwing sein, wäre die Fraktion mit „TÜL/Die Linke“ oder noch korrekter mit „TÜL/Die Linke.PDS“ anzureden. Dass sich Brenner an solche Formalien nicht hält, kann sich der Kreisvorständler am ehesten mit dessen fehlender Ernsthaftigkeit erklären: „Vielleicht will er nur das Spiel machen, jede Woche einen neuen Namen rauszugeben.“
Warum nicht, wenn die fraktionsinterne Kontroverse über die beste B 27-Trasse Zeit dafür lässt? Zumindest Jochen Großhans, der als zeremonienmeisterlicher Hauptamtsleiter im Rathaus auf Etikette zu achten hat, wäre das völlig wurscht. Für ihn ist und bleibt Brenners Truppe das, als was sie sich bei der letzten Kommunalwahl ausgegeben hat: die TÜL/PDS. Deshalb sieht er „überhaupt keinen Anlass“, welchen neuen Fraktionsnamen auch immer „in irgendeiner Weise offiziell umzusetzen“ – auch dann nicht, wenn Brenner, wie bereits angedroht, diesen Skandal bundesweit anprangern sollte. Sepp Wais
Quelle: http://www.tagblatt.de
Die TÜLL –wie sie schallt und raucht
Nomen est omen. Des Pfarrers Frage bei der Taufe, wie das Kindlein nun denn heißen soll, hat schon manches Mal für die ersten Turbulenzen in einer jungen Ehe geführt. Und wie man am Sonntag beim Sonderparteitag der PDS in Berlin gesehen hat, kann auch eine politische Partei ziemlich ins Schwitzen kommen, wenn es darum geht, sich selber ein neues Etikett zu verpassen. Schließlich ist der Name immer auch ein bisschen Programm – und das lautet nun ganz offiziell: „Die Linkspartei.PDS“.
Was die Taufpaten bei ihrer Findungsdebatte in der Hauptstadt möglicherweise nicht ausreichend bedacht haben: Der neue Schriftzug auf der roten Fahne stellt nun die vierköpfige TÜL/PDS-Fraktion im Tübinger Rat vor ein Problem. Wie soll sie künftig firmieren? Etwa mit vollem Namen als „Tübinger Linke/Die Linkspartei/Partei des Demokratischen Sozialismus“ oder abgekürzt als „TÜL/Linkspartei/PDS“?
So viel doppeltgemoppeltes Wortgeklingel war Fraktionschef Anton Brenner und seinen Mitstreitern Gerhard Bialas, Gerlinde Strasdeit und Bernd Melchert offenbar dann doch nicht geheuer. Warum so umständlich programmatisch, wenn es pragmatisch auch kurz und bündig geht, dachten sich die vier Stadträte wohl, und einigten sich darauf, dass sie von Stund an nicht mehr „TÜL/PDS“, sondern schlicht „TÜLL“ heißen wollen – TÜLL doppelt links wie „Tübinger Linke – Linkspartei“.
Bravo! Wer die zwiefachen Binde- und Schrägstrich-Namen, die immer öfter wie Zerreißnägel in die deutsche Sprache gestreut werden, nicht mag, wird am griffigen TÜLL (nicht zu verwechseln mit dem „netzartigen Gewebe“ im Duden) seine Freude haben. Beim Tübinger Kreisvorstand der „Die Linkspartei.PDS“ sieht man das allerdings anders. Kaum hatte Brenner am Wochenende den Neunamen der Fraktion per Pressemitteilung verkündet, schickte sein Nachwuchs-Genosse Frederico Elwing ein unfreundliches Contra hinterher.
Grund der Intervention: Im Kreisvorstand hat man erhebliche Bedenken juristischer Art, ob diese Umbenennung überhaupt möglich ist. Korrekterweise nämlich, so viel Zeit muss laut Elwing sein, wäre die Fraktion mit „TÜL/Die Linke“ oder noch korrekter mit „TÜL/Die Linke.PDS“ anzureden. Dass sich Brenner an solche Formalien nicht hält, kann sich der Kreisvorständler am ehesten mit dessen fehlender Ernsthaftigkeit erklären: „Vielleicht will er nur das Spiel machen, jede Woche einen neuen Namen rauszugeben.“
Warum nicht, wenn die fraktionsinterne Kontroverse über die beste B 27-Trasse Zeit dafür lässt? Zumindest Jochen Großhans, der als zeremonienmeisterlicher Hauptamtsleiter im Rathaus auf Etikette zu achten hat, wäre das völlig wurscht. Für ihn ist und bleibt Brenners Truppe das, als was sie sich bei der letzten Kommunalwahl ausgegeben hat: die TÜL/PDS. Deshalb sieht er „überhaupt keinen Anlass“, welchen neuen Fraktionsnamen auch immer „in irgendeiner Weise offiziell umzusetzen“ – auch dann nicht, wenn Brenner, wie bereits angedroht, diesen Skandal bundesweit anprangern sollte. Sepp Wais
Quelle: http://www.tagblatt.de
Anton Brenner - 2005/07/22 19:00
www.solid-sds.de

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