Entweder mehr Geld für Bildung oder Bedürftige oder geringere Kreisumlage
Da weder die Grünen noch die SPD bereit waren unsere Anträge auf soziale Verbesserungen zu unterstützen, sahen wir keinen Anlass, die Kreisumlage nicht anzutasten. Wir stimmten mit den freien Wählern und der CDU (Ausnahme Norz) für eine deutliche Senkung der Kreisumlage, in der Erwartung, dass die Gemeinden mit dem Mehrbetrag in der Kasse (in Tübingen immerhin 390 000 Euro mehr gegenüber dem Verwaltungsvorschlag und 1,8 Millionen mehr gegenüber dem Vorschlag der Grünen) etwas für die Konjunkturankurbelung tun.
Bernhard Strasdeit, Kreisrat der LINKEN
Haushaltsrede im Kreistag am 10.12.2008
LINKE im Kreistag fordern Schutzschirm gegen Kinderarmut!
Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrte Damen und Herren.
Bundesweit erleben wir derzeit einen Investitionsstau von 700 Milliarden Euro in den Kommunen. Das berichtete vorgestern ein Magazin, das immer Montags erscheint.
700 Milliarden Investitionsstau bei Schulneubauten und Sanierungen, bei Kanalisation, bei öffentlichen Gebäuden, beim Straßenbau und im öffentlichen Nahverkehr und Vieles mehr – gerechnet auf die nächsten zehn Jahre. Jahrlang wurde gespart. Dank Schröder und Fischer und dank Großer Koalition wurden die privaten Gewinne aufgebläht und riesige Geldsummen für den spekulativen Bereich angehäuft – bis die Blase jetzt platzte. Die Gewinne die in Milliardenhöhen verzockt wurden, sind ja irgendwo mal erarbeitet worden. Gleichzeitig wurde bei kommunalen Ausgaben jahrelang gespart. Die Realeinkommen der lohnabhängig Beschäftigten und der Erwerbslosen wurden eingefroren oder gekürzt. Durch Hartz IV, durch Ausweitung von Niedriglöhnen, Minijobs, Leiharbeit – eine vornehme Umschreibung für modernen Sklavenhandel, steigt auch im Landkreis der Anteil von Menschen, die erwerbstätig sind und doch – aufstockend - auf Hartz IV angewiesen sind. Das heißt: immer mehr Menschen können trotz Erwerbsarbeit nicht leben von ihren Einkünften. Ergebnis sind massive Einbrüche bei der Massenkaufkraft im unteren Einkommensbereich.
Da müssen wir auch im Kreishaushalt gegensteuern. Die LINKE unterstützt die Forderung des Deutschen Städte und Gemeindetages nach einem sofortigen Konjunkturprogramm. Das erhält und schafft Arbeitsplätze, das bringt mehr soziale Infrastruktur. Wir brauchen Bürgschaften der öffentlichen Kassen für Schulen und Kindergärten, für mehr Personal und Ausstattung in Berufsschulen, für Schulsozialarbeit. Wir brauchen vor allem einen Schutzschirm gegen Kinderarmut.
Deshalb sind wir der Auffassung, auch der Kreishaushalt sollte konjunkturfördernd mitwirken und dafür sorgen, dass vor allem arme Menschen mehr Geld zur Verfügung haben. Im Kreishaushalt kommt das nicht zum Ausdruck.
Sehr geehrter Herr Landrat, meine Damen und Herren,
In den Ergänzungsanträgen der anderen Fraktionen zum Entwurf des Kreishaushaltes unterstützen wir einige gute Projekte ausdrücklich – so das Projekt Youth-life-line, die zusätzlichen Anschaffungen in Kreisschulen und die Gebäudesanierungen.
Aber wir brauchen zusätzlich einen sozialen Ruck in Verbindung mit einem konjunkturellen Schub aus dem Kreishaushalt.
Deshalb fordern wir eine pauschale Erhöhung bei den sozialen Freiwilligkeitsleistungen um 10 % statt um 6 %, um die erhöhten Preise und Personalkosten bei den Trägern auszugleichen.
Deshalb fordern wir die Senkung der Eigenanteile für Schülerfahrkarten, vorerst um 10 % und die Rücknahme der Eigenanteile bei Hauptschüler. Schülerfahrten sind schlicht Bildungsnebenkosten. Sie müssen in der Perspektive kostenfrei sein.
Deshalb bringen wir auch das Thema Sozialticket in den Kreishaushalt ein. Wir brauchen da unbedingt einen Einstieg. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Es ist sehr schade, ja wir kritisieren es als schäbig, wenn SPD und Grüne das ganze Jahr über im Tagblatt ein kreisweites Sozialticket fordern, Erwartungen wecken bei den Betroffenen und beim Kreishaushalt dann sagen „Ätschegäbele“, war nur ein Werbegag. Leute, das geht so nicht! So geht man nicht mit Menschen um, so geht man nicht mit Familien um, die auf jeden Cent angewiesen sind. Landläufig nennt man solches Verhalten Populismus oder Wählertäuschung. Ich nenne es ein unwürdiges Spiel mit Betroffenen.
Da sind mir die Freien Wähler doch lieber als die Grünen, die sagen offen und ehrlich, dass sie das Geld nicht dafür ausgeben wollen sondern lieber in den Gemeinden zur Verfügung haben wollen.
Die Grünen im Kreistag haben einen guten Vorschlag gemacht. Sie fordern ein Bonusticket im ÖPNV für einkommensschwache Haushalte. Den Antrag gibt aber eben nur als Prüfauftrag, obwohl ganz schnell errechnet werden kann, was eine solche 50 % ige Rabattierung kostet.
Wir sind dafür, dass der Landkreis ein Bonusticket als preislich vergünstigte Monatskarte im ÖPNV (Naldo) ausgibt. Begünstigt sollen Personen sein, die Leistungen nach dem SGB II, nach dem SGB XII oder dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen.
Außerdem sollen Leute das Ticket erwerben können, deren Einkommen die Einkommensgrenzen nach SGB II bis zu 8 % überschreitet. Soweit die grüne Ankündigung; und soweit unsere Übernahme als Antrag jetzt zum Kreishaushalt.
Mal sehen, wie Ihr Grünen heute abstimmt. Nochmal: in der Öffentlichkeit lautstark eine soziale Initiative vorzugaukeln und im Kreistag nur leise die "Prüfung" eines Modells vorzuschlagen, ist keine seriöse Politik.
Wir fordern eine Rabattierung , die über den Kreishaushalt laufen soll. Wir wollen keinen Ausgleich über Preiserhöhungen bei anderen NALDO-Kunden. Die Kosten für den Einstieg für 2009 wären sind rund 500 000 Euro. Das hat uns Herr Michels dankenswerter Weise für eine 20%-ige Inanspruchnahme vorgerechnet.
Dieses Geld würde direkt und sofort dort ankommen, wo es am meisten gebraucht wird, bei Familien mit niedrigen Einkommen. Dort wird es auch am schnellsten ausgegeben, vielleicht nicht für ein teueres Ökoauto sondern für Lebensmittel und Kleidung oder Kinderspielzeug.
Diese 500 000 Euro wären ein kleiner bescheidener Beitrag zur Konjunkturdebatte. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte ich Sie alle, vor allem diesem Antrag zuzustimmen.
Herr Landrat meine Damen und Herren,
Über 90 % der Kreisausgaben sind gesetzlich vorgegeben. Schon deshalb werden wir wahrscheinlich nach der Beratung diesem Haushalt zustimmen. Unsere zusätzlichen Anträge kosten rund eine Million. Die vorgeschlagene Senkung der Kreisumlage entspricht einem Betrag von 3,1 Millionen Euro. Die LINKE will, dass in Zeiten der herangaloppierenden Wirtschaftskrise keine zusätzlichen Rücklagen gebildet werden, sondern investiert wird. Investitionen gegen Kinderarmut und für eine soziale Infrastruktur sind die beste Konjunkturspritze. Wir sind dafür, die Kreisumlage nicht zu senken, sondern das Geld für soziale Infrastruktur bereitzuhalten. Unser Antrag zur Kreisumlage gilt selbstverständlich nur unter der Bedingung, dass das Geld auch vernünftig ausgegeben und nicht gebunkert wird, sonst soll es lieber den Gemeinden zugute kommen.
Zum Abschluss noch eine vorweihnachtliche Bemerkung nach der Tübinger Schokoladenmesse und den vielen Nikoläusen.
Der echte Nikolaus war weder aus Schokolade noch hatte er viel mit Weihnachten am Hut. Der echte, der historische Nikolaus war ein früher Kommunist.
Er lebte im 4. jahrhundert in Kleinasien, in der heutigen Türkei. Er war dort Bischof in der Stadt Myra, das ist nicht weit weg vom heutigen Antalya.
Dieser Bischof von Myra war schon damals - im 4. jahrhundert -. ein sehr glaubwürdiger Verfechter der von uns geforderten Millionärssteuer und - einer Erhöhung der Erbschaftssteuern auf die großen Vermögen. Ja, das können Sie bei Wikipedia nachlesen.
Der Bischof von Myra war Sohn reicher Eltern und gab sein ganzes ererbtes Vermögen freiwillig an die Armen weiter. Wir LINKE fordern den Landrat und die Fraktion mit dem großen C auf: lernt endlich vom echten heiligen Nikolaus.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine kreative Beratung des Kreishaushaltes.
Bernhard Strasdeit, Kreisrat der LINKEN
Haushaltsrede im Kreistag am 10.12.2008
LINKE im Kreistag fordern Schutzschirm gegen Kinderarmut!
Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrte Damen und Herren.
Bundesweit erleben wir derzeit einen Investitionsstau von 700 Milliarden Euro in den Kommunen. Das berichtete vorgestern ein Magazin, das immer Montags erscheint.
700 Milliarden Investitionsstau bei Schulneubauten und Sanierungen, bei Kanalisation, bei öffentlichen Gebäuden, beim Straßenbau und im öffentlichen Nahverkehr und Vieles mehr – gerechnet auf die nächsten zehn Jahre. Jahrlang wurde gespart. Dank Schröder und Fischer und dank Großer Koalition wurden die privaten Gewinne aufgebläht und riesige Geldsummen für den spekulativen Bereich angehäuft – bis die Blase jetzt platzte. Die Gewinne die in Milliardenhöhen verzockt wurden, sind ja irgendwo mal erarbeitet worden. Gleichzeitig wurde bei kommunalen Ausgaben jahrelang gespart. Die Realeinkommen der lohnabhängig Beschäftigten und der Erwerbslosen wurden eingefroren oder gekürzt. Durch Hartz IV, durch Ausweitung von Niedriglöhnen, Minijobs, Leiharbeit – eine vornehme Umschreibung für modernen Sklavenhandel, steigt auch im Landkreis der Anteil von Menschen, die erwerbstätig sind und doch – aufstockend - auf Hartz IV angewiesen sind. Das heißt: immer mehr Menschen können trotz Erwerbsarbeit nicht leben von ihren Einkünften. Ergebnis sind massive Einbrüche bei der Massenkaufkraft im unteren Einkommensbereich.
Da müssen wir auch im Kreishaushalt gegensteuern. Die LINKE unterstützt die Forderung des Deutschen Städte und Gemeindetages nach einem sofortigen Konjunkturprogramm. Das erhält und schafft Arbeitsplätze, das bringt mehr soziale Infrastruktur. Wir brauchen Bürgschaften der öffentlichen Kassen für Schulen und Kindergärten, für mehr Personal und Ausstattung in Berufsschulen, für Schulsozialarbeit. Wir brauchen vor allem einen Schutzschirm gegen Kinderarmut.
Deshalb sind wir der Auffassung, auch der Kreishaushalt sollte konjunkturfördernd mitwirken und dafür sorgen, dass vor allem arme Menschen mehr Geld zur Verfügung haben. Im Kreishaushalt kommt das nicht zum Ausdruck.
Sehr geehrter Herr Landrat, meine Damen und Herren,
In den Ergänzungsanträgen der anderen Fraktionen zum Entwurf des Kreishaushaltes unterstützen wir einige gute Projekte ausdrücklich – so das Projekt Youth-life-line, die zusätzlichen Anschaffungen in Kreisschulen und die Gebäudesanierungen.
Aber wir brauchen zusätzlich einen sozialen Ruck in Verbindung mit einem konjunkturellen Schub aus dem Kreishaushalt.
Deshalb fordern wir eine pauschale Erhöhung bei den sozialen Freiwilligkeitsleistungen um 10 % statt um 6 %, um die erhöhten Preise und Personalkosten bei den Trägern auszugleichen.
Deshalb fordern wir die Senkung der Eigenanteile für Schülerfahrkarten, vorerst um 10 % und die Rücknahme der Eigenanteile bei Hauptschüler. Schülerfahrten sind schlicht Bildungsnebenkosten. Sie müssen in der Perspektive kostenfrei sein.
Deshalb bringen wir auch das Thema Sozialticket in den Kreishaushalt ein. Wir brauchen da unbedingt einen Einstieg. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Es ist sehr schade, ja wir kritisieren es als schäbig, wenn SPD und Grüne das ganze Jahr über im Tagblatt ein kreisweites Sozialticket fordern, Erwartungen wecken bei den Betroffenen und beim Kreishaushalt dann sagen „Ätschegäbele“, war nur ein Werbegag. Leute, das geht so nicht! So geht man nicht mit Menschen um, so geht man nicht mit Familien um, die auf jeden Cent angewiesen sind. Landläufig nennt man solches Verhalten Populismus oder Wählertäuschung. Ich nenne es ein unwürdiges Spiel mit Betroffenen.
Da sind mir die Freien Wähler doch lieber als die Grünen, die sagen offen und ehrlich, dass sie das Geld nicht dafür ausgeben wollen sondern lieber in den Gemeinden zur Verfügung haben wollen.
Die Grünen im Kreistag haben einen guten Vorschlag gemacht. Sie fordern ein Bonusticket im ÖPNV für einkommensschwache Haushalte. Den Antrag gibt aber eben nur als Prüfauftrag, obwohl ganz schnell errechnet werden kann, was eine solche 50 % ige Rabattierung kostet.
Wir sind dafür, dass der Landkreis ein Bonusticket als preislich vergünstigte Monatskarte im ÖPNV (Naldo) ausgibt. Begünstigt sollen Personen sein, die Leistungen nach dem SGB II, nach dem SGB XII oder dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen.
Außerdem sollen Leute das Ticket erwerben können, deren Einkommen die Einkommensgrenzen nach SGB II bis zu 8 % überschreitet. Soweit die grüne Ankündigung; und soweit unsere Übernahme als Antrag jetzt zum Kreishaushalt.
Mal sehen, wie Ihr Grünen heute abstimmt. Nochmal: in der Öffentlichkeit lautstark eine soziale Initiative vorzugaukeln und im Kreistag nur leise die "Prüfung" eines Modells vorzuschlagen, ist keine seriöse Politik.
Wir fordern eine Rabattierung , die über den Kreishaushalt laufen soll. Wir wollen keinen Ausgleich über Preiserhöhungen bei anderen NALDO-Kunden. Die Kosten für den Einstieg für 2009 wären sind rund 500 000 Euro. Das hat uns Herr Michels dankenswerter Weise für eine 20%-ige Inanspruchnahme vorgerechnet.
Dieses Geld würde direkt und sofort dort ankommen, wo es am meisten gebraucht wird, bei Familien mit niedrigen Einkommen. Dort wird es auch am schnellsten ausgegeben, vielleicht nicht für ein teueres Ökoauto sondern für Lebensmittel und Kleidung oder Kinderspielzeug.
Diese 500 000 Euro wären ein kleiner bescheidener Beitrag zur Konjunkturdebatte. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte ich Sie alle, vor allem diesem Antrag zuzustimmen.
Herr Landrat meine Damen und Herren,
Über 90 % der Kreisausgaben sind gesetzlich vorgegeben. Schon deshalb werden wir wahrscheinlich nach der Beratung diesem Haushalt zustimmen. Unsere zusätzlichen Anträge kosten rund eine Million. Die vorgeschlagene Senkung der Kreisumlage entspricht einem Betrag von 3,1 Millionen Euro. Die LINKE will, dass in Zeiten der herangaloppierenden Wirtschaftskrise keine zusätzlichen Rücklagen gebildet werden, sondern investiert wird. Investitionen gegen Kinderarmut und für eine soziale Infrastruktur sind die beste Konjunkturspritze. Wir sind dafür, die Kreisumlage nicht zu senken, sondern das Geld für soziale Infrastruktur bereitzuhalten. Unser Antrag zur Kreisumlage gilt selbstverständlich nur unter der Bedingung, dass das Geld auch vernünftig ausgegeben und nicht gebunkert wird, sonst soll es lieber den Gemeinden zugute kommen.
Zum Abschluss noch eine vorweihnachtliche Bemerkung nach der Tübinger Schokoladenmesse und den vielen Nikoläusen.
Der echte Nikolaus war weder aus Schokolade noch hatte er viel mit Weihnachten am Hut. Der echte, der historische Nikolaus war ein früher Kommunist.
Er lebte im 4. jahrhundert in Kleinasien, in der heutigen Türkei. Er war dort Bischof in der Stadt Myra, das ist nicht weit weg vom heutigen Antalya.
Dieser Bischof von Myra war schon damals - im 4. jahrhundert -. ein sehr glaubwürdiger Verfechter der von uns geforderten Millionärssteuer und - einer Erhöhung der Erbschaftssteuern auf die großen Vermögen. Ja, das können Sie bei Wikipedia nachlesen.
Der Bischof von Myra war Sohn reicher Eltern und gab sein ganzes ererbtes Vermögen freiwillig an die Armen weiter. Wir LINKE fordern den Landrat und die Fraktion mit dem großen C auf: lernt endlich vom echten heiligen Nikolaus.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine kreative Beratung des Kreishaushaltes.
Anton Brenner - 2008/12/16 17:10
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